Milieugestaltung unter dem Aspekt der Essensgestaltung
für demente Menschen
Die folgenden Aspekte zeige ich als Arbeitsblätter in meinen Seminaren. Die einzelnen Punkte sind zum größten Teil aus den folgenden Quellen:
Wojnar J., "Ernährung in der häuslichen Pflege Demenzkranker"
aus der Praxisreihe der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V.,
www.deutsche-alzheimer.de/5_2.html
Lärm M., Die Ernährung Demenzkranker,
http://www.demenz-ded.de/pdf/Essen%20und%20Trinken.pdf
Essensgestaltung
- Essenskomponenten getrennt
- Unzerkleinert
- Garniert
- Auf Porzellangeschirr serviert
- Kräftige Farben und abwechselnde Formen der Kost
- Kräftig würzen
- Kleine Portionen
- Konsistenz aller Zutaten sollte ähnlich sein
- Speisen und Getränke sollten nicht zu heiß serviert werden. Da Demente die Temperatur oftmals zu spät empfinden
- Lauwarme Speisen dagegen verlieren an Geschmack und regen die Speichelproduktion nur gering an
- Warme Getränke werden oft lieber getrunken als Kalte
- Auch passiertes bzw. püriertes Essen kann appetitlich aussehend serviert werden. Alle Teile der Mahlzeit müssen getrennt püriert werden und lassen sich mit gehackten Kräutern appetitlich anrichten. (Wenn es die Pflegende beim Anreichen schon ekelt, ist es kein Wunder, wenn die Kranke nichts essen mag!)
- Wenn man etwas unbekanntes (Passierte Kost) auf der Zunge hat, kann das sehr schnell Ekel hervorrufen. Es ist also unumgänglich den Patienten mitzuteilen, was ihm gereicht wird; sei dies durch Worte oder durch das Zeigen der Esswaren
Raumgestaltung
- Die Gestaltung der Essenssituation hat einen entscheidenden Einfluss auf den Ernährungszustand der Kranken. Der Ablauf und die Situation bei Tisch sollen von einer vertrauensvollen Atmosphäre geprägt sein. Vorhandene Fähigkeiten müssen stimuliert und genutzt und Stressfaktoren reduziert werden
- Schöner gedeckter Tisch (Tischdecke, Blumen, Servietten)
- Viele Demenzkranke sind überfordert, wenn alle Bestandteile der gesamten Mahlzeit gleichzeitig serviert werden: Getränk, Salat, Suppe, Hauptgericht, Nachtisch. Sie sollten immer nacheinander serviert werden
- Bei Tisch ist der Schüsselservice immer dem Tellerservice vorzuziehen, um möglichst viel Normalität zu erhalten
- Das Essen sollte möglichst (in einer Wohngruppe immer) in einer Tischgemeinschaft zusammen mit Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen eingenommen werden. Dabei haben die Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen eine Gastgeberfunktion
- Musik als Untermalung empfinden Demenzkranke und Pflegekräfte als angenehm
Soziale Aktionsgestaltung
- Intensive Aufmerksamkeit und Unterstützung, bzw. Zuwendung beim Essen führen zu einer besseren Nahrungsaufnahme
- Die Pflegeperson, die bei der Nahrungsaufnahme Hilfestellung gibt, sollte sich hinsetzen, um den Bewohner das Gefühl zu vermitteln, dass ausreichend zeit für die Hilfestellung besteht
- Bezugspflege
- Anregende Gespräche halten vom vorzeitigen Verlasen des Tisches ab
- Der Versuch ihn zum Essen zu überreden steigert oft die Ablehnung und erzeugt eine gereizte Stimmung
- Ein freundliches Gespräch, angenehme Düfte und erneutes Bestreichen der Lippen sind effektiver
- Das Zureichen muss unterbrochen werden, wenn der Kranke anfängt zu sprechen. Es ist deshalb ratsam, während des Essens wenig zu sprechen und keine Fragen zu stellen
- Wenn der Demenzkranke nicht von alleine das essen beginnt, geben sie ihm einen Handlungsimpuls (z.B. Pflegeperson zeigt auf Teller oder Löffel)
- Es gibt aber viele Demenzkranke, die wegen ihrer inneren Unruhe in mehreren Etappen essen; sie stehen zwischendurch auf und müssen umher gehen
- Es gibt jedoch auch Demenzkranke, die in Gemeinschaft so abgelenkt sind, dass sie dadurch zu wenig essen. Hier kann es von Vorteil sein, diese Kranken in einer kleineren Gruppe oder vielleicht sogar alleine essen zu lassen. Manchmal hilft bereits ein anderer Platz - z.B. vielleicht von der Tür abgewandt
- Es sind in jedem Fall auch abweichende Verhaltensweisen zuzulassen: z. B. mit den Fingern essen oder kleckern. Die Kranken dürfen nicht damit konfrontiert werden, dass sie nicht korrekt essen
- Meist ist es sinnvoller z.B. zum Trinken einzuladen "Das schmeckt köstlich! Probier mal!", als zu fragen "Möchtest Du etwas trinken?"
