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Schon nach 30 Minuten reglosen Liegens
verändert sich die Körperwahrnehmung

Eine Studie einer Pflegewissenschaftlerin zum Thema Körperwahrnehmung. In dieser Studie wurde gezeigt, dass bereits nach 30 Minuten regungslosen Liegens Störungen in der Körperwahrnehmung auftreten.

In einem Experiment ließ Gunda Rosenberg 16 gesunde Personen 30 Minuten auf Antidekubitus-Matratzen bewegungslos ruhen. Die speziellen Matratzenauflagen werden im Pflegebereich zur möglichst reizlosen Lagerung von Patienten eingesetzt, um Druckgeschwüre zu vermeiden. Anschließend sollten die Teilnehmer ihre Körperwahrnehmung beschreiben.

"Das Ergebnis war sehr beeindruckend", sagt die ehemalige Krankenschwester Gunda Rosenberg. Das Gefühl für den eigenen Körper hatte bei der Hälfte der Probanden abgenommen. "Hals und Füße habe ich nicht mehr gespürt, meine Körperkonturen waren aufgerissen, und alles fühlte sich schwammig an", erzählt etwa eine der Versuchspersonen.

Die Ursache für dieses Phänomen vermutet Gunda Rosenberg in der mangelnden Versorgung mit Sinnesreizen. Jeder Mensch lernt im Laufe seiner Entwicklung, jederzeit - auch mit geschlossenen Augen - seine aktuelle Körperhaltung und die Körpergrenze einzuschätzen. Diese Orientierung ist die Grundvoraussetzung für einen reibungslosen Bewegungsablauf und für den Erhalt der Identität. Ein intaktes Körperschema scheint allerdings keine einmalig erlernte Fähigkeit zu sein. Vielmehr bedürfe es permanenter Aktualisierungen aus den Sinnesreizen, vor allem des Tast-, Gleichgewichts- und Bewegungssinns, so die Pflegewissenschaftlerin. Fehlten solche Stimulanzen, komme es zu Orientierungs- und Bewegungsstörungen.

"Genau hier liegt die Gefahr in Krankenhäusern und Pflegeheimen, denn in der reizarmen Umgebung lassen sich nur wenig verwertbare Informationen finden", sagt Gunda Rosenberg. Mit ihrem Experiment an gesunden Personen konnte sie zeigen, dass bereits eine halbstündige Reizverarmung ausreicht, um die Einschätzung für die realen Ausmaße des eigenen (gesunden) Körpers zu verlieren. "Es ist davon auszugehen, dass viele kranke Menschen dieselben Erfahrungen machen, ohne immer darüber reden zu können."

Quelle: Wagner S, Ärzte Zeitung, Schon nach 30 Minuten reglosen Liegens verändert sich die Körperwahrnehmung, www.aerztezeitung.de/nl/default.asp?id=2043,200906,/politik/pflege, 26.02.2002

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