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Ethik in der Altenpflege
Forum des St. Elisabeth-Stiftes in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung

Weihbischof Friedrich Ostermann
Weihbischof Friedrich Ostermann

"Die heutige Veranstaltung soll Orientierung bei vielen Grenzfragen geben, die im Rahmen der Altenpflege in allen unseren Einrichtungen immer wieder intensiv diskutiert werden", machte Geschäftsführer Werner Strotmeier in seiner Begrüßung den Sinn und Zweck des Forums "Ethik in der Altenpflege - ethisch verantwortbare Wege in schwierigen Situationen" deutlich. Diese Veranstaltung, die am 29. September stattfand, hatten das St. Elisabeth-Stift und die Konrad-Adenauer-Stiftung gemeinsam initiiert und organisiert.

Strotmeier stellte heraus, dass die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht davon geprägt sein dürfe, "den Haftungsfall zu vermeiden". Oberste Maxime müsse es sein, den Bewohner und sein Wohl in den Vordergrund zu stellen. Denn: "Als Christen sind wir davon überzeugt, dass der Mensch eine unantastbare Würde hat."

Christel Plenter
Christel Plenter

Weihbischof Friedrich Ostermann unterstrich in seiner Einführung diese Einschätzung. Ethik sei die Lehre vom rechten Handeln. "Dabei geht es ganz konkret um die Werte, die dem Handeln zugrunde gelegt werden", machte er deutlich. Entscheidend für ihn sei es dabei, einen Weg der Hoffnung und der Liebe zu gehen. "Wir dürfen das Leben nicht verletzen, sondern müssen es fördern und unterstützen", machte er unmissverständlich klar.

"Ethisches Handeln - (k)ein Thema in der Altenpflege?" war der erste Kurzvortrag von Christel Plenter überschrieben. Ausgehend von einer genauen Definition des Begriffs Ethik ging die Theologin und Fachkrankenschwester unter anderem auf das "ethische Dilemma" in der Pflege ein. Persönliche Faktoren, äußere Einflüsse und die Bedürfnisse der Pflegenden sowie der zu Pflegenden stünden häufig in einem Zwiespalt, den es zu lösen gelte. Sie kam zu dem Schluss: "Ethik in der Pflege ist ein Thema, mit dem sich jeder Pflegende und jedes Heim näher auseinandersetzen sollten."

Dr. Bernd Bauer
Dr. Bernd Bauer

Aus seiner täglichen Arbeit als praktischer Arzt in Albersloh und aus seiner Erfahrung als Mitglied der Hospizbewegung beleuchtete Dr. Bernd Bauer das Thema "Ethik aus der Sicht des Hausarztes - ist alles Machbare auch notwendig?". "Die moderne Medizin stellt uns vor Probleme, die es früher nicht gab", legte Dr. Bauer dar und erläuterte diese These beispielhaft am Thema "Zwangsernährung über eine Magensonde". Anhand von Statistiken und wissenschaftlichen Studien konnte er zeigen, dass die Zwangsernährung über eine Magensonde viele zusätzliche Probleme mit sich bringt, die es für den Einzelfall genau abzuwägen gelte. "Mit einer solchen Sonde kann das Leben des Patienten manchmal verlängert, aber häufig nicht verbessert werden."

Dr. Siegfried Borker
Dr. Siegfried Borker

"Die Nahrungsverweigerung ist oft die einzige Möglichkeit der Selbstbestimmung, die dem Patienten geblieben ist". Dr. Bauer konnte deutlich machen, dass Zwangsernährung vielfach von den Patienten - zumindest unbewusst - als "Vergewohltätigung" aufgefasst werde. Ferner legte er den rund 100 Anwesenden anhand einer Verlautbarung der Ärztekammer dar, dass "wenn der Patient die Zustimmung zur Behandlung verweigert oder zurücknimmt, Ärzte, Schwestern und Pfleger aus ihrer so genannten Garantenpflicht entlassen sind."

"Ethik konkret - sind Essen und Trinken mehr als nur Nahrungsaufnahme?" Mit dieser Frage beschäftigte sich zum Schluss des Forums Dr. Siegfried Borker. In seiner Promotion hatte sich der Pflegewissenschaftler näher mit diesem Thema beschäftigt. Zwei Gründe gebe es bei Pflegebedürftigen für die Nahrungsverweigerung, legte er dar: nicht essen können und nicht essen wollen. Dem, so Borker, stehe der Zwang gegenüber, essen zu müssen, der - bewusst oder unbewusst - von den Pflegenden ausgeübt werde.

Forum
"Ethik in der Altenpflege - ethisch verantwortbare Wege in schwierigen Situationen" war ein Forum überschrieben, das das St. Elisabeth-Stift zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung organisiert hatte.

Gerade bei älteren Patienten sei das so genannte "Hospitalhopping" als Hauptgrund für eine Nahrungsverweigerung anzusehen. Der häufige Wechsel von Krankenhäusern und Pflegeheimen und der damit verbundene Wechsel der Bezugspersonen sei dafür verantwortlich, legte der Pflegewissenschaftler dar. "Viele Gesundheitseinrichtungen sind nicht darauf ausgerichtet, ältere Kranke ethisch korrekt pflegen zu können", kritisiert er. Denn: "Wichtig ist es, die Situation der Betroffenen zu verstehen." Nur dann, so Borker, könne letztlich menschenwürdig gepflegt werden.

In einer abschließenden Diskussionsrunde hatten die Anwesenden die Möglichkeit, Fragen zu allen Themenbereichen zu stellen.

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