Interessantes

Esskultur im Heim
Mangelernährung und Fehlernährung im Alter
Welche Ursachen führen zu Mangelernährung und Fehlernährung?
Was müssen Heimköchinnen und -köche darüber wissen?
Was können sie tun?
PD Frau Dr. med. Daniela Schlettwein-Gsell, Basel

Als Mangel- oder Fehlernährung wird in der deutschen Sprache sowohl eine ungenügende oder fehlerhafte Zusammensetzung der Nahrung als auch ein suboptimale Ernährungszustand bezeichnet. Es ist wichtig, diese beiden Begriffe auseinander zuhalten, weil sie nicht von den gleichen Faktoren abhängen: Die Zusammensetzung der Nahrung wird durch äußere Umstände beeinflusst, u.a. finanziellen und soziokulturellen Voraussetzungen wie Verfügbarkeit, Auswahl und Zubereitung der Nahrung. Der Ernährungszustand andererseits hängt vom Körperzustand ab und wird durch Stoffwechselfunktionen, Krankheiten und Medikamentenkonsum beeinflusst. Der Gehalt der Nahrung an den bekannten essentiellen Nährsubstanzen kann durch chemische Analysen recht genau bestimmt werden. Schwieriger zu interpretieren sind die verschiedenen Indikatoren, die zur Bewertung des Ernährungszustandes entwickelt wurden und auf denen die allgemeinen Empfehlungen zur Prävention verschiedener Krankheiten beruhen. Ihre Bedeutung für Menschen im hohen Alter, wie sie die Heimbewohner mehrheitlich stellen, ist umstritten. Auf einige dieser Punkte weist die Tabelle hin. Die Energie- und Eiweisszufuhr sowie der Gehalt der Nahrung an oxydierenden Substanzen scheinen in diesem Lebensabschnitt wichtiger zu sein als der Fett- oder der Kalziumgehalt.

Die zunehmende Einsicht, dass in Gemüse und Früchten gesundheitsfördernde Substanzen enthalten sind, die bisher nicht identifiziert wurden, führt dazu, dass die Qualität der Nahrung vermehrt nach der Häufigkeit von Lebensmittelgruppen beurteilt wird. Auf diesen Kriterien beruhen auch die international entwickelten Messinstrumente zur Identifikation von Risikogruppen. In der Schweiz am meisten verwendet wird der MNA, ein Fragebogen zum "Mini Nutritional Assessment" einer ersten raschen Beurteilung des Ernährungszustandes.

Von den zuhause lebenden alten Menschen stellen etwa 5 bis 10% ein Risiko in Bezug auf ihren Ernährungszustand dar. In Institutionen und Heimen sind dies bis zu 60%. Der krasse Unterschied erklärt sich durch die größere Prävalenz von Krankheiten und Medikamenten.

Er beruht aber auch auf der Tatsache, dass im Alter Durst, Hunger und Geschmacksempfindungen verschwinden. Solange ein Mensch zuhause im gewohnten Umfeld lebt, werden Defizite durch die über Jahrzehnte eingespielten äusseren Auslöser wie Essenszeiten, Tischgenossen, Zubereitungsart und übliche Mengen auch bei dementen Menschen noch über längere Zeit weitgehend kompensiert. Bei einem Eintritt in ein Heim bricht dieses Leitplankengerüst zusammen und kann nur schwer wieder aufgebaut werden. So kommt es vor, dass da Körpergewicht in unerwünschtem Masse ansteigt, weil man gewohnt ist, den Teller leer zu essen, oder dass nur noch die Hälfte der gewohnten Mengen getrunken wird, weil die Tasse zuhause doppelt so gross war. Eine an Nährstoffen reiche Nahrung wirkt sich auch im Alter von mehr als 80 Jahren positivauf Gesundheitszustand, cognitive Fähigkeiten und sogar die Überlebenszeit aus. Für den alten Menschen noch wichtiger als die präventive Bedeutung der Nahrung ist die Tatsache, dass die Mahlzeiten eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten darstellen, um bewusst zu geniessen, die Gegenwart zu erfahren und vielleicht sogar noch Entscheidungen selber zu treffen.

Zusammenfassend hat also die Nahrung im hohen Alter möglichst reich an essentiellen Substanzen zu sein und muss gleichzeitig der Genussfähigkeit, den Erfahrungswerten und den sozialen Kompetenzen der einzelnen Rechnung tragen. So einfach sich dies in der Theorie anhört, so schwierig ist die Umsetzung in die Praxis.

Gewisse Hinweise zur Erleichterung der praktischen Durchführung lassen sich formulieren:

Die Küche hat am ehesten Erfolg, wenn die Gerichte nach traditionellen Gesichtspunkten zubereitet werden, Früchte und Gemüse nicht als Salate, sondern vorsichtig gedämpft, beziehungsweise als Kompott gereicht werden. Mit etwas Fantasie und Toleranz lässt sich Fingerfood auch auf diese Weise anbieten. Die vielen Möglichkeiten von Suppen, die auch zur Flüssigkeitsaufnahmen beitragen, sollten genutzt werden. Suppen sind aus der Kindheit vertraute Erlebnisse und werden oft als angenehmer empfunden als kalte Säfte. Sprossen und Kerne sind mühsam zu essen. Stark aromatische Kräuter und exotische Gewürze können ungewohnte Geschmackssensationen auslösen und sind mit Vorsicht zu verwenden. Auf Salz soll nicht einfach verzichtet werden. Wenn es unumgänglich erscheint, angereicherte Lebensmittel zu verwenden, so zeigen angereicherte Getränke eher Erfolge als angereicherte Speisen wie dies neue Untersuchungen aus Holland zeigen.

Es gibt keine Lebensmittel oder Geschmacksrichtungen, die im Alter grundsätzlich bevorzugt werden; das haben Befragungen eindeutig ergeben. Die Bevorzugung beispielsweise von süssen Gerichten ist individuell und kann sich sogar beim selben Individuum von Zeit zu Zeit verändern.

Gerade auch deshalb ist es wichtig, dass die Mahlzeitengestaltung für jeden einzelnen Heimbewohner in regelmäßigen Abständen individuell besprochen wird: soweit irgend möglich mit dem ihm selbst, mit dem Pflegepersonal aber eben jedenfalls auch mit allen Personen, die an der Herstellung der Mahlzeit mitwirken. Miteinbezogen werden müssen die Angehörigen ebenso wie regelmäßige Besucher. Es lohnt sich, Ess- und Trinkgewohnheiten der Betroffenen schriftlich festzuhalten und die Gültigkeit der Eintragungen regelmäßig zu überprüfen, die Angehörigen ausführlich nach den früheren Gewohnheiten zu befragen und Besucher zu bitten, zu einer sinnvollen Kost, die gerne gegessen wird, beizutragen - sei es durch angepasste Mitbringsel, sei es durch Teilnahme oder Hilfe bei der Mahlzeit selbst. Es gilt heute als sicher, dass auch schwer demente Menschen die Nahrung vornehmlich dann verweigern, wenn die Betreuung hastig, uneinsichtig oder überfordert erfolgt.

Wenn die Zeit zum Sterben gekommen ist, müssen diese Überlegungen intensiviert werden. Nur unter seltenen ganz spezifischen Umständen ist es zulässig einen Heimbewohner zur Nahrungsaufnahme zu zwingen.

Neue Trends in der Lebensmittel-Industrie
Am Beispiel von Functional Food in der Ernährung des alten Menschen -
Bedeutung und Nützlichkeit von funktionellen Lebensmitteln
Von Elsbeth Bally, Ernährungswissenschafterin, Zürich

Bedingt durch die Verfügbarkeit innovativer Produktionstechnologien unterliegt der Lebensmittelmarkt erheblichen Veränderungen. Der Verbraucher wird mit neuen "internationalen" Begriffen wie Convenience Food, Novel Food, Designer Food und Functional Food konfrontiert. Seit einigen Jahren kaufen wir (un)bewusst "funktionelle" Lebensmittel, wie beispielsweise probiotische Joghurts. Der Verzehr solcher Functional Foods soll die Gesundheit fördern, das Risiko für bestimmte Krankheiten vermindern, eventuell einzelne Krankheiten sogar therapieren. Functional Foods sind Nahrungsmittel, die mit gesundheitsfördernden Stoffen angereichert, oder denen gesundheitsschädliche Substanzen entfernt werden. Zusätzlich sollen diese eine oder mehrere Körperfunktionen günstig beeinflussen. Functional Foods sind immer Lebensmittel, keine Pillen, Kapseln oder Pulver.

Die Wurzeln von Functional Food liegen in Japan. Dort sind die "Foods for Special Health Use" (FOSHU), oder Lebensmittel, die speziell für die Gesundheit verwendet werden, seit 1991 gesetzlich verankert. Weder in der EU noch in der Schweiz sind Functional Foods rechtlich definiert. Sie befinden sich in einer Grauzone zwischen Lebensmittel und Medikament. Entsprechende Anpreisungen oder Auslobungen (Claims) sind nicht erlaubt ohne die strengen Schritte des Heilmittelgesetzes zu durchlaufen, wie Nachweis von Wirkungsweisen und Testergebnissen. Zur Zeit fallen Functional Foods unter das Lebensmittel-Gesetz und neue Produkte werden von Fall zu Fall geprüft. In der Schweiz sind seit langem mit Vitaminen und/oder Mineralien angereicherte Lebensmittel auf dem Markt, beginnend mit der Ovomaltine im Jahre 1905 bis zu den heutigen Produkten wie z.B. angereicherte Fruchtsäfte, Frühstückszerealien, Milchzusätzen, Margarinen, Speiseöle. Es stellt sich die Frage, was denn neu und besser sein soll. Neu ist die Zielsetzung dieser Lebensmittelgruppe. Bestand früher der Hauptzweck solcher Produkte in der Vermeidung von bestimmten Krankheiten, wie typische Vitaminmangel-Erkrankungen (Bsp. Rachitis durch Vitamin D-Mangel) , ist heute die Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens wesentlich.

Eine der Zielgruppen für Functional Food sind in (Pflege)heimen lebende alte Menschen, da gerade bei dieser Gruppe jene Erkrankungen, die wegen ihrer finanziellen Folgen gesundheitspolitisch relevant sind, verstärkt auftreten. In Heimen, in der Gemeinschaftsverpflegung überhaupt werden Menüpläne erstellt und ist bekannt, was serviert worden ist und was wieder zurückkommt. Mit Hilfe des Personals können Ernährungsgewohnheiten, Vorlieben, Verzehrsmengen aber auch das soziale Umfeld einzelner Personen beobachtet werden. Dies erlaubt Functional Food als Ergänzung (z.B. ACE-Getränke) oder als Ersatz (z.B. pflanzensterinhaltige Margarine anstelle von üblicher) individuell und sinnvoll einzusetzen. Alte Menschen, die zu wenig essen, respektive einen zu geringen Nährstoffgehalt erreichen, auf das Cholesterin achten oder den Blutzuckerspiegel kontrollieren müssen, können von diesen gesundheitsunterstützenden Produkten am meisten profitieren.

Von den auf dem Markt hier interessierenden angebotenen Lebensmitteln unter dem Begriff Functional Food sind Pro- und Prebiotika (verschiedene mit speziellen Mikroorganismen und Nahrungsfasern versehene Milchprodukte), Lebensmittel mit erhöhtem Gehalt an antioxidativ wirksamen Inhaltsstoffen (z.B. ACE-Getränke), Lebensmittel mit Zusätzen an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Fischöl), Lebensmittel mit Zusätzen an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen (Pflanzensterole) und Lebensmittel angereichert mit speziellen Nahrungsfasern (Beta-Glucane).

Für Pro- und Prebiotika werden viele gesundheitliche Wirkungen diskutiert. Nachgewiesene Effekte sind Steigerung der Immunreaktion, Verkürzung von Durchfallerkrankungen, Verminderung allergischer Reaktionen gegen Milchzucker und auch die Reduzierung von Helicobacter pylori, einem Bakterium, das an der Entstehung von Magenschleimhautentzündungen beteiligt ist. Der regelmässige Einsatz eines probiotischen Joghurts könnte sich demnach positiv auf das Verdauungssystem auswirken. Möglicherweise günstig ist der Einsatz von Probiotika bei medikamentösen oder krankhaften Störungen der Darmflora.

Unter den Antioxidantien sind bislang nur die Vitamine C und E sowie Beta-Carotin eingehend untersucht. Als gesichert gilt der Schutzeffekt von Vitamin E bei kardiovaskulären Krankheiten. Wirksam sind Antioxidantien ebenfalls bei degenerativen Prozessen und beim Alterungsprozess überhaupt. Hier können nebst pflanzlichen Lebensmitteln, reich an Nährstoffen, ACE-Getränke als Ergänzung einen wichtigen Beitrag leisten. Zur Verbesserung des Fettstoffwechsels, speziell zur Senkung des schlechten Cholesterins (LDL-Cholesterin) liefern Eier, Öle mit Omega-3-Fettsäuren und fettreduzierte Margarine mit Pflanzensterolen angereichert einen Zusatznutzen.

Schließlich wirken sich Lebensmittel (Getreideriegel) mit den löslichen Nahrungsfasern Beta-Glucan aus Haferkleie angereichert günstig auf den Blutzuckerspiegel bei Altersdiabetes aus.

Obwohl die hier erwähnten Produkte unter bestimmten Kriterien betrachtet nachweisbar wirksam sein sollen, ist bei neuen Wirkstoffen, namentlich aus der Reihe der sekundären Pflanzenstoffe noch vieles wenig geklärt. Langzeiterfahrungen des Konsums all dieser Produkte stehen noch aus und eine unabhängige Forschung der Hochschulen zur Prüfung und Kontrolle, bis anhin nur dürftig, ist notwendig. Trotzdem scheinen in diesen neuartigen Nahrungsmitteln erhebliche Potentiale für den Erhalt und die Verbesserung der Gesundheit zu stecken. Fehler in der Ernährung werden jedoch mit den allerbesten Functional Foods nicht wett gemacht. In Heimen werden diese neuwertigen Nahrungsmittel wohl nur einen sicheren Platz erhalten, wenn der dafür zu bezahlende höhere Preis im Vergleich zu herkömmlichen Lebensmitteln durch Sicherheit, Wirkung und schliesslich Akzeptanz lohnenswert ist.

Produkte auf dem Schweizermarkt mit gesundheitsfördernden Zusatznutzen
Diese Angaben machen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Quelle: Technologiefolgen-Abschätzung TA 37A/2000 "Functional Food" | www.ta-swiss.ch |

Esskultur im Bereich der verschiedenen Kostformen im Heim
Von Markus Biedermann, Küchenchef und Kursleiter, Rumisberg

Der Ernährungszustand älterer Menschen
Der Ernährungszustand älterer Menschen ist das Ergebnis einer längeren Ernährungsgeschichte. Liegen im Altern ernährungsabhängige Krankheiten vor, so beruhen diese immer auf Fehlern, die schon in früheren Jahren gemacht wurden und die sich im Laufe der Zeit manifestiert haben. Eine bedarfsgerechte Ernährung im Alter kann daher niemals das Fehlverhalten vergangener Jahre vollständig ausgleichen. Trotzdem läßt sich das physische und psychische Wohlbefinden alter Menschen durch eine angemessene Ernährung beeinflussen. Folgende Kriterien sind dabei zu berücksichtigen:

Physiologische Veränderungen im Alter
Die physiologischen Veränderungen beim alternden Menschen sind zahlreich und individuell unterschiedlich: Mit zunehmendem Alter verringert sich die Muskelmasse. Der Grundumsatz und damit der Energiebedarf sinken. Die Knochenmasse vermindert sich; bei Frauen bis zum 80. Lebensjahr um durchschnittlich 25 %, bei Männern nur um etwa 12 %. Die Kaufähigkeit ist gestört und es kommt zu Schluckstörungen durch reduzierte Speichelbildung. Gegenwärtig sind 80 % Senioren Gebissträger. Geruchs- und Geschmackswahrnehmungen sowie Seh- und Hörleistungen lassen nach. Mit Veränderungen der Magen- Darmschleimhaut kommt es zu einer langsameren Resorption. Ferner ist eine verringerte Produktion von Verdauungssekreten und von Gallensaft zu verzeichnen. Die Entgiftungsleistung der Leber lässt nach. Die Filtrationsrate der Niere wird geringer. Die Steuerung des Durstgefühls ist als Folge der verminderten Nierenleistung und der Veränderungen im Zwischenhirn nicht mehr gegeben. Vielfach wird der Durst nicht mehr wahrgenommen.

Ursachen von Ernährungsschwierigkeiten im Alter:

Im Hinblick auf die stetig steigende Zahl alter Menschen ist ein Umdenken in den Heimküchen angesagt. In Zukunft muss das Angebot der verschiedenen Kostformen bereichert werden, um den wachsenden Ansprüchen der neuen Heimbewohner gerecht werden zu können. Da die Menschen tendenziell immer älter werden, wird es zukünftig immer mehr pflegebedürftige Heimbewohner geben. Das heißt, diese Gäste haben meist Schluckbeschwerden, Verdauungsstörungen und durch fehlenden Zahnersatz Kaubeschwerden. Deshalb nimmt die Versorgung mit passierter Kost stetig zu, da die Gäste normale Kost nicht mehr zu sich nehmen können. Der Betagte schränkt sich ein, dadurch ist die Aufnahme von Nährwerten sehr schwierig. Durch den Nährwertverlust in der Produktion der Speisen wird mittags durch Zugabe von Rohkostsalaten, Blattsalaten, frisches Obst, Früchtequark und abends durch frische Salate, Tomaten, Radieschen, etc entgegengewirkt. Dies gilt für alle das grundsätzliche Angebot im Heim, jedoch bei abweichenden Kostformen im ersten Augenblick nicht umsetzen.

FAZIT:
Die meisten Gäste in Seniorenheimen können nur noch feinpassiertes Essen zu sich nehmen. Vor Jahren hatten wir von 100 Menüs einzelne abweichende Kostformen, heute haben wir teilweise 30 - 40 % spezielle Kostformen. Die Zahl steigt stetig an. Ein undefinierbarer, farbloser Einheitsbrei darf nicht länger die Mahlzeit sein, womit diese Patienten in Institutionen täglich versorgt werden. Es ist unumgänglich, die Kostformen aus ihrem Schattendasein von liebloser Resteverwertung zu befreien und Verbesserungskonzepte zu entwickeln. Einzig so kann den Heimbewohnern, die zunehmend anspruchsvoller werden, eine wertvolle, gesunde Ernährung und Genuss am Essen gewährleistet werden.

Eigenständiges Essen
Die verschiedenen Kostformen müssen als eigenständige Menüs gesehen werden, und zwar für einen Gast, der die gleichen Ansprüche an das Essen stellt, wie ein Gast, der Vollkost erhält. Dennoch hat man immer wieder das Gefühl, dass diese Kost, die mehr Gäste hat als vegetarische Gerichte, wie ein Stiefkind behandelt wird. Das pürierte Essen gehört in den Verantwortungsbereich des Koches und nicht in den Bereich der Küchenhilfen. Geschmack und Konsistenz sind dabei wichtige Faktoren.

Der Weg zu positiven Ergebnissen
Voraussetzung für eine gezielte Verbesserung der Kostformen im Heim ist eine genaue Definition. Diese Definitionen sind mit der Pflege gemeinsam zu erarbeiten und die Mitarbeiter sind entsprechend zu sensibilisieren.

Ein Beispiel

BezeichnungBeschreibungIndikation
Vollkost Ohne einschränkende Nahrungsmittel. Fettarm, salzarm, schonende Zubereitungsarten stehen im Vordergrund. Berücksichtigung individueller Unverträglichkeit. keine
Pürierte Kost Ableitung von der Vollkost / leichte Kost in pürierter bis fein gehackter Form. Sollte ohne große Kaubewegung einzunehmen sein. Auf Wunsch mit angepassten Zwischenmahlzeiten. Kau- und Schluckschwierigkeiten, Erkrankung der Mundhöhle und der Zähne, Verengung der Speiseröhre, Aufbaukost. Die pürierte Kostform ist immer wieder zu überprüfen und gegebenenfalls auf gewürfelte oder normale Kost zu wechseln. Kauen ist ein Training für die Kaumuskulatur.

Folgende Fragen sind zu stellen:

Die Küche
Die Speiseversorgung ist das Kerngeschäft der Küche. Deshalb muss sich das Küchenmanagement überlegen, wie kann das passierte Essen attraktiv gemacht werden kann, damit der Speiseplan für passierte Kost wieder nährwertreich wird und dennoch nicht das Budget sprengt. Vorbei die Zeiten früh Brei, mittags passiertes Essen und abends Brei. Das Essen soll nicht nur satt machen, sondern dem Körper auch Nährwerte liefern. Durch COOK & CHILL wird das Anrichten von passierter Kost optisch verbessert. Hier können Sie mit Einweg-Spritzbeuteln, verschiedenen Tüllen und mit Formen arbeiten. Dies ist ein Weg den Gast anzuregen, die passierte Kost zu sich zu nehmen. Die verschiedenen Kostformen, welche von Diäten zu unterscheiden sind, werden folgendermaßen definiert:

Der Begriff "Esskultur" gewinnt im Bereich dieser verschiedenen Kostformen zunehmend an Bedeutung. Die herkömmlichen Zubereitungsarten müssen überdacht und den wachsenden Ansprüchen angepasst werden. Auch die neuen Techniken müssen berücksichtigt und genutzt werden, um dies verwirklichen zu können. So wurde ich beispielsweise immer wieder mit der Tatsache konfrontiert, dass in praktisch allen Heimen die verschiedenen Kostformen jeweils mindestens eine Stunde vor dem Essen fertig gestellt und bis zum Service warm gehalten werden. Diese Warmhaltezeiten können jedoch heute mittels der Errungenschaften der Technik umgangen werden.

Die Kostformen sind heute nicht nur vielfach so deprimierend zubereitet und angerichtet, dass kein Koch sie essen möchte, sie sind auch lebensgefährlich! Gerade im Alter spielt die gesunde Ernährung eine tragende Rolle in der Erhaltung der Gesundheit. Ein alter Mensch, der sich von aufgewärmten Resten oder ewig eingekochtem Gemüse ernähren muss, kann auf Dauer nicht gesund bleiben. Deshalb ist es auch hier absolut notwendig, die gesunde und ausgeglichene Ernährung in allen Kostformen zu gewährleisten. Die Heimküche kann sich im Bereich der verschiedenen Kostformen an der Gastronomie ein Vorbild nehmen, wo mehrfarbige oder sogar gefüllte Gemüseflans, Pürees oder Fleischpudding längst gängig sind. Löst man sich erst einmal von der Haltung, dass die Zubereitung der verschiedenen Kostformen nicht mehr viel mit dem Kochen an sich zu tun hat, öffnen sich plötzlich unzählige Möglichkeiten, die zu einer kreativen und liebevollen Zubereitung der verschiedenen Kostformen führen können. Mit etwas Liebe und Phantasie lassen sich im Rahmen der zerkleinerten Kost die schönsten Menüs kreieren. Anregungen zur Bereicherung des kulinarischen und ernährunsphysiologischen Grundsätzen:

LebensmittelBedarfZubereitung
Getränke täglich 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit (z.B. Mineralwasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, Gemüsesäfte und verdünnte Obstsäfte) Frische Gemüse und Obstsäfte zubereiten
Getreide Getreideprodukte, Kartoffeln sollen die Basis der Ernährung sein (Kohlenhydrate, Ballaststoffe, B-Vitamine, Eiweiß, Mineralstoffe) Feines Püree aus Kartoffeln anreichen mit einem feinem Linsen-, Kichererbsenpüree, Weizen, Haferpüree mit Sellerie- oder Karottenpüree usw.
Gemüse Hülsenfrüchte, Salat, Rohkost sollen reichlich dazu gegessen werden (Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe, Kohlenhydrate, sekundäre Pflanzenstoffe) Dito oben
Frisches Obst sollte täglich verzehrt werden (Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe, Kohlenhydrate, sekundäre Pflanzenstoffe) Fruchtsäfte frisch gepresst Frucht - Mousse mit dem Pacojet hergestellt
Milchprodukte Reichlich Milch und Milchprodukte (Eiweiß, Calcium, B-Vitamine) Milchdrinks, Shakes, Glacen, Cremen mit Früchtemark
Fleisch Sparsam bei Fleisch, Wurst, Geflügel und Eiern erstklassige Produkte verwenden, Zuerst zerkleinern - kurze Zubereitungsart
Fisch jedoch 1 - 2 mal pro Woche Seefisch (Eiweiß, Jod, Vitamin D, Eisen) Fischklösschen, Fischflan, Terrinen
Fette Fette, Öle und fettreiche Speisen in Maßen genießen (Fett, fettlösliche Vitamine A, D, E, K, essentielle Fettsäuren)  

nach oben