Stellungnahme zur momentanen Diskussion um Sterbehilfe, Nutzen oder Nichtnutzen von künstlicher Ernährung bei dementen Menschen

 

Wenn wir die Problematik rein wissenschaftlich betrachten, wissen wir einfach zu wenig ob eine PEG-Sonde, bzw. eine künstliche Ernährung „nützlich“ oder „unnützlich“ für diese Menschen ist. In vielen Ländern ist es inzwischen Trend, eine PEG-Sonde für demente Menschen nicht mehr zu empfehlen. Doch wenn wir uns anschauen auf welchen Daten diese restriktive Vorgehensweise basiert, ist es doch verwunderlich, wie man bei dieser Datenlage, bereits sehr klare Leitlinien aussprechen kann, zumindest wird es inzwischen von vielen hochrangigen Vertretern so verstanden. Wir haben kaum Erkenntnisse darüber, ob eine künstliche Ernährung einen Nutzen hat, wir haben aber auch keine wirklichen Erkenntnisse darüber, ob diese Ernährungsform einen Schaden hat. Erstaunlich ist nur, wie ich von vielen Erfahrungsberichten weiß, wie unethisch und mit wie viel Unkenntnis Entscheidungen , ob jemand künstlich ernährt werden soll oder nicht, getroffen werden. Ist das Problem die PEG-Sonde oder ist es die Art und Weise wie wir mit diesen Menschen umgehen?

 

Wir müssen auch gesellschaftlich darüber diskutieren, in Zeiten in denen die Ökonomie das Gesundheitswesen bestimmt, wem wollen wir noch welche Behandlung anbieten. Der Mensch sollte im Mittelpunkt stehen und nicht standardisierte Vorgehensweisen, die falsche Fallpauschale oder kleinkariertes Schwarz/Weiß denken. Ich plädiere nicht dafür, dass wir nun jedem dementen Menschen eine PEG-Sonde legen der nicht mehr ausreichend Essen und Trinken kann und ich plädiere nicht dafür, dass wir keine PEG-Sonden mehr legen sollen, weil diese „Unnützlich“ ist. Ich plädiere dafür, dass diese Menschen das Recht haben, dass die Menschen welche sie betreuen zumindest versuchen, denn ich weiß wie schwierig diese Entscheidungen sind, die Vorgehensweise zu finden, die für diesen Menschen die Beste sein könnte. Dieses Recht sollte jeder Mensch haben, wenn er sich im letzten Lebensabschnitt befindet. Bitte keine Dämonisierung und auch keine Romantisierung mehr, sondern eine sachliche Diskussion ohne ständig demagogisch vorgebrachten Argumente, welcher jeglicher Sachverstand fehlt.

 

Ich habe viele Menschen gesehen, welche unter der künstlichen Ernährung auf ihre letzten Tage fürchterlich leiden mussten, aber ich habe auch Menschen gesehen, welche zumindest subjektiv glücklich erschienen, für mehr als nur 6 Monate, ob ihr Leben nun schlimmer war als der Tod, wer hat das Recht darüber zu urteilen?

 

Wenn wir auf PEG-Sonden bei diesen Menschen verzichten wollen, dann werden wir sicherlich einigen Menschen Leid ersparen, aber wir werden auch nicht mehr erleben, wie es Menschen gibt, welche noch ein Stück Zeit mit ihren Nächsten gewinnen durften. Wie man deutlich bei diesen Bildern sehen kann (siehe in der Rubrik Erfahrungsberichte, Bericht von Frau Pfeiffer).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Wir brauchen nicht mehr oder weniger PEG-Sonden bei dementen Menschen sondern mehr sinnvolle PEG-Sonden.

 

Kriterien für sinnvolle PEG-Sonden:

 

          Das Anlegen der PEG-Sonde orientiert sich am mutmaßlichen Willen (und der Lebensqualität)

          Es wurden vorher alle Maßnahmen versucht um den dementen Menschen zum Essen und Trinken zu bewegen

          Ernährungsprobleme werden frühzeitig aufgedeckt und eine Sondenernährung wird auch dann eingeleitet so lange der Betroffene noch ausreichend körperliche Ressourcen hat und die Mangelernährung sich nicht manifestiert hat

          Eine PEG-Sonde bedeutet nicht einen Ausschluss aus dem sozialen Leben und den alltäglichen Gewohnheiten. Es muss eine weitere Telnahme an den gewohnten Mahlzeiten ermöglicht werden, sowie eine orale Nahrungszufuhr, gegebenenfalls durch Basale Stimulation® sicher gestellt sein

          Andere Erkrankungen, nicht nur die Demenz müssen in die Entscheidung mit einfließen. Den bisher gibt es keinen Anhalt dafür, dass eine Demenz für eine Lebenszeitverkürzung verantwortlich ist. Wesentlicher bedeutender sind hier die Komorbiditäten, bzw. das Stresserleben aufgrund der Demenzbedingten Beeinträchtigungen ( vgl. Wojnar, 2005).

          In den Fällen, in denen eine Sondenernährung erforderlich ist, ist darauf hinzuwirken, dass eine bedarfsgerechte Ernährung gewährleistet wird und keine pauschale Kaloriengabe von z.B. 1000 kcal.

          Ein kompetentes Umfeld, welches sich bewusst sein muss auch darüber nachzudenken, wann eine weitere Ernährung über eine PEG-Sonde nicht mehr dem Willen des Betroffenen entspricht, bzw. die Belastung der Ernährung unter palliativen Aspekten kontraindiziert ist.