NAHRUNGSVERWEIGERUNG

Mögliche Problemlösungen für körperliche Ursachen

Essen schmeckt nicht

Wenn ein Demenzkranker in ein Pflegeheim oder ähnliche Einrichtungen kommt, ist es wichtig zu erfahren, was der Demente gern gegessen hat, bzw. gerne isst. Wie hat er sein Essen gewürzt? Mag er manche Speisen überhaupt nicht? Hat er gern zum Essen etwas getrunken, zum Beispiel Bier oder Rotwein? Was ist sein Lieblingsgericht?

Hier finden Sie eine | Essbiografie |
aus dem Buch "Essen als Basale Stimulation" von M. Biedermann

Man erlebt es in Heimen oder in anderen stationären Einrichtungen oft, dass Patienten, wenn ihre Zähne nicht mehr optimal, bzw. nicht mehr vorhanden sind, automatisch Breikost bekommen. Sie haben sich vorher wahrscheinlich nie in ihrem Leben ausschließlich von Pudding, Haferschleim und Kartoffelbrei ernährt. Im Volksmund sagt man "Der Hunger treibt´s schon rein" - bis zu einem gewissen Maß ist dies sicherlich möglich. Wie dies allerdings mit "ganzheitlicher" Pflege zu vereinbaren ist, welche in nahezu jeder Einrichtung durchgeführt wird, sei dahingestellt. Es ist also sehr wichtig, die früheren Essgewohnheiten zu ermitteln, um dann individuell auf den Patienten eingehen zu können. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung eine Umstellung auf halbflüssige Kost aufgrund der Schluckstörungen unumgänglich ist.

Was den Alkohol begrifft, so sind zwei Glas Wein oder Bier zu erlauben (auch akoholfreies Bier anbieten). Im fortgeschrittenen Stadium der Demenz darf man den Patienten nicht allein Alkohol trinken lassen. Die Medikamentenverträglichkeit ist mit dem Arzt abzuklären[1].

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Pathologische Störungen im Mund und Magen-Darm-Trakt

Probleme mit den Zähnen können natürlich am besten von einem Zahnarzt gelöst werden. Normalerweise kommt der Zahnarzt auch nach Hause bzw. ins Heim, um den Zahnstatus zu begutachten und evtl. zu behandeln. Sollte er bestimmte Instrumentarien brauchen, so gibt es auch die Möglichkeit, den Patienten mit einem Krankentransport und einer Begleitperson zu einem Zahnarzt bringen zu lassen. Die Kosten für die Behandlung werden im Normalfall von der Krankenkasse bzw. vom Sozialamt übernommen. Im fortgeschrittenen Stadium empfiehlt es sich aber die Zahnprothese ganz wegzulassen.

Zur Problematik der Zahnbehandlung bei dementen Menschen ein Beitrag von Lutz Barth ( www.iqb-info.de )
Die zahnärztliche Behandlung des Alterspatienten - eine rechtliche Orientierung
Zum Artikel |

Damit Senioren richtig essen - Mit fünf Blicken auf den Zahn fühlen |

Schmerzen in der Mundhöhle, welche nicht durch Beschwerden mit den Zähnen verursacht werden, können nur mit einer optimalen Mundpflege beseitigt werden. Dazu zählt selbstverständlich das Zähneputzen, Spülungen mit Kamillentee, Salbeitee oder speziellen Mundspüllösungen, um Entzündungen und Pilzbefall im Mund zu behandeln. Vorbeugend kann Dörrobst und trockenes Brot gegeben werden, um die Kautätigkeit anzuregen. So werden Entzündungen im Mund erst gar nicht entstehen. Trockenen Mund und Mundgeruch kann man durch regelmäßiges Spülen des Mundraumes, Trinken von säuerlichen Getränken, Beißen in frische Früchte oder durch Lutschen von Eis verhindern.

Es gibt mehr Möglichkeiten, um Mundpflege bei Pflegebedürftigen durchzuführen. Die hier vorgestellten Maßnahmen sind aber mit Mitteln, welche man sich auch Zuhause einfach besorgen kann, leicht durchzuführen.

Wenn der Verdacht besteht, dass eine Erkrankung im Magen-Darm-Trakt vorliegt, ist es natürlich Aufgabe des Arztes herauszufinden, ob dies so ist. Ein häufiges Symptom ist die Übelkeit. In der Regel entsteht sie durch Drucksteigerung im Magen, im Zwölffingerdarm und in der Speiseröhre. Die Ursachen können sehr vielfältig sein. Übermäßige Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr ist eine Möglichkeit, behebt sich aber nach kurzer Zeit von selbst. Dann gibt es eine Reihe von pathologischen Gründen, angefangen von einer Gastritis bis hin zu Krebserkrankungen. Nebenwirkungen von Medikamenten können ebenso Übelkeit hervorrufen wie seelische Ursachen, welche im nachfolgenden Kapitel zu behandeln sind.

Neben der Übelkeit ist die Refluxerkrankung häufig die Ursache von Magenproblemen. Sie entsteht durch das Zurückfließen von "Magensaft" in die Speiseröhre, und erzeugt dadurch eine Entzündung. Das so genannte Sodbrennen ist eine Folge davon. Sie kann mit Medikamenten und bestimmten Verhaltensmaßnahmen gut behandelt werden.

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Schluckstörungen

Zu dem Thema Schluckstörungen, bzw. Kau und Schlucktraining, gibt es sehr gute Fachliteratur. Aufgrund der Fülle an Informationen zu diesem Thema seien im Folgenden nur die wichtigsten Punkte zusammengefasst. In der Regel sollte man jedenfalls eine Logopädin hinzuziehen. Künstliche Ernährung über eine PEG-Sonde kann bei Schluckstörungen eine gute Möglichkeit sein die daraus resultierende Mangelernährung zu beheben und den Allgemeinzustand zu verbessern. Fairerweise muss auch erwähnt, das die Effektivität von Schluck- und Esstrainingsmethoden überaus kontrovers diskutiert wird.[A] Die hier vorgestellten Maßnahmen können bestenfalls einen Erhalt der Kau- und Schluckfähigkeiten bei Dementen erreichen.

Unter nachfolgender Internetadresse können Sie eine kostenlose Broschüre zu diesem Thema bestellen (Blaue Reihe/ Band 8; Schluckstörungen)
www.pfrimmer.de/fachinformation/blaue_reihe.phtml?fachinformation_2 |

Die Therapie von Schluckstörungen ruht auf vier Säulen:

Woran kann man nun Schluckstörungen erkennen:

Wenn Schluckstörungen auftreten, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, um den Schluckvorgang zu unterstützen bzw. zu vereinfachen. Ganz wichtig ist die Sitzposition des Pflegebedürftigen. Ideal ist es, wenn er auf einem Stuhl am Tisch sitzen kann. Ist dies aber nicht möglich, weil er nicht aus dem Bett kann, so sollte man dafür sorgen, dass der Patient aufrecht sitzt, d.h. das Kopfteil des Bettes ist bis 90° hochgestellt. Dies gilt natürlich auch für Kranke ohne Schluckstörung. "Je besser die Position des Patienten beim Essen ist, um so größer ist die Bereitschaft zu essen, selber zu essen und/oder das Essenkönnen wieder einzuüben."[2] Durch das Sitzen an einem Tisch wird ihm auch gleichzeitig signalisiert: Es ist "Essenszeit". Normalerweise kann man davon ausgehen, das der Patient vor seiner Erkrankung die Mahlzeiten am Tisch und nicht im Bett eingenommen hat.

Sitzt der Patient gerade, gibt es verschiedene Handgriffe, um Kau- und Schluck- vorgang zu unterstützen. Eine erfahrene Logopädin kann sie ihnen zeigen. Werden Flüssigkeiten mit den Löffel angeboten, wird dieser zu dreiviertel gefüllt an die Unterlippe gehalten und unter leichter Drehung lässt der Pflegende das Getränk in die Wangentasche einfließen. Der Patient verschluckt sich auf diese Weise weniger.[3]

Dem Patienten mit Trinkschwierigkeiten kann Flüssigkeit mit Hilfe einer Spritze, welche man zwischen den Lippen in den Mund einführt, zugeführt werden. Der Pflegende legt dazu seine Hand um den Unterkiefer des Patienten und hebt diesen an. Dadurch bewegt sich die Zunge des Patienten nach hinten und ist somit in Schluckbereitschaft. Mit der Spritze gibt der Pflegende jetzt die Flüssigkeit langsam ein.[4] Bei Passivität des Patienten kann man auch das vordere Drittel der Zunge mit einem Löffel leicht nach unten drücken, um einen Schluckreflex auszulösen. Bei geschlossenem Mund berührt man mit dem Löffel den Mund, um den Patienten zum öffnen zu motivieren. Ist er geöffnet, reicht häufig ein Berühren des Gaumens oder der Zunge für eine stimulierende Wirkung auf den Schluckreflex aus.

Wichtig auch hier, dass die Kost angepasst wird. Das heißt man sollte angedickte oder breiartige Speisen und Getränke verwenden. Speisen und Flüssigkeiten sind mit speziellen diätetischen Dickungsmitteln anzudicken. In Apotheken erhältliche Produkte haben im Vergleich zu herkömmlichen den Vorteil, dass sie bei längeren Standzeiten nicht nachdicken.[5]

Generell muss aber erwähnt werden, das die Gefahr des Verschluckens natürlich sehr groß ist. Deshalb ist es sehr wichtig, dass eine erfahrene Pflegekraft diese Maßnahmen durchführt. Laien sollten sich vorher mit einer erfahrenen Pflegekraft, bzw. einem Arzt absprechen, um evtl. auftretende Komplikationen zu vermeiden.

Nebenwirkungen von Medikamenten, die Schluckstörungen auslösen können, bedürfen der Absprache mit einem Arzt. Dieser kann beurteilen, ob Medikamente reduziert, ersetzt oder weggelassen werden können.


11 Essregeln bei Schluckstörungen


Sprech- und Schluckstörungen - Problemfeld in der Demenztherapie
Herausgeber Professor Dr. med. Ingo Füsgen
Dokumentation eines Workshops vom August 2003 | http://download.merz.de/alzheimer/alzh_schluckst.pdf |


Schlaganfall und Schlucken
Diagnostik und Therapie dysphagischer Störungen
von Marcel Blonder
http://www.aphasie-station.de/symposium901/dysphagie.htm |


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Sonstige Ursachen

Wenn offensichtlich ist, dass der Patient Schmerzen hat, so kann der Arzt eine Schmerztherapie ansetzen, oder die Ursache für die Schmerzen behandeln. Jeder Patient hat das Recht auf Schmerzfreiheit. Aber auch von pflegerischer Seite gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, den Patienten das Ertragen der Schmerzen zu erleichtern. Sei es durch Kinästhetik, Entspannung, Ablenkung oder evtl. sogar Akupunktur, um nur einige Möglichkeiten zu nennen.

Wenn der Patient zu müde ist zum Essen, müssen auch hierfür die Gründe erforscht werden. Wenn es keine pathologische Ursache gibt, liegt es vielleicht am gestörten Tag-Nacht-Rhythmus des Patienten. Das heißt, er ist nachts aktiv und somit tagsüber zu müde zum Essen. In diesem Fall sollte man den Dementen wieder auf einen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus einstellen, so dass er nachts wieder schlafen kann und tagsüber wach ist.

Die Qualität der Nahrung kann mit eine Reihe von Nahrungsergänzungsmittel - es gibt sie von verschiedenen Herstellern - verbessert werden. Sie werden entweder in Form von Trinknahrung direkt gegeben oder als geschmackloses Pulver dem Essen beigemengt.

Hier 2 Internetseiten mit Informationen zum Thema Mangelernährung im Alter
http://www.nutri-risk.de |   | http://www.nutrinews.de |

Aber auch mit anderen Lebensmitteln kann man kalorienreiche und gesunde "Drinks" herstellen. Hierzu ein Beispiel:

Meine Mutter wiegt inzwischen nur noch 43 kg. Sie hat aber aufgrund einer Krebserkrankung vor fünf Jahren eine schwere Magen-OP gehabt. Ich habe immer angenommen, dass die Gewichtsabnahme darauf beruht. Kann ja auch sein. Manchmal sagt sie aber auch, sie isst nichts, weil sie nicht mehr leben möchte und sie isst sowieso nur, wenn ihr jemand alles hinstellt und Gesellschaft leistet. Wenn sie fast nichts isst, machen wir ihr eine Bananenmilch aus in Milch pürierter Banane, Joghurt, Milch und Müsli. Alles püriert ergibt das ein schmackhaftes und gehaltvolles Getränk, welches sie dann aber auch zu sich nimmt. Und Eis funktioniert auch immer.[6]

Für Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Besteck haben oder ruhelos sind und bei Tisch nicht sitzen bleiben, kann man Nahrung zubereiten, die mit den Fingern gegessen werden kann (z.B. Butterbrote, Käsewürfel, Gemüseteile, gebackenes Huhn in Stücken, frisches Obst in Stücken); dies erleichtert das Essen und der Verwirrte kann, wenn man das Essen in seiner Umgebung aufstellt, jederzeit etwas davon nehmen.


Wenn sie sich für das Thema Fingerfood interessieren, empfehle ich ihnen das Buch "Essen als Basale Stimulation" von Markus Biedermann.
(Hier ein Artikel über seine Arbeit: | www.jamverlag.de/seminar12_01a.html |)

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Literaturverzeichnis

[1] vgl. Grond E., Pflege Demenzkranker 1. Auflage, Brigitte Kunz Verlag, Hagen, 1998, S. 111

[A] vgl. Kolb G., Dysphagie und Mangelernährung im Alter, 2001, S. 70

[2] Juchli L.,Pflege, Praxis und Theorie der Gesundheits- und Krankenpflege. 7. neubearbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart; New York, 1994, S. 252

[3] vgl. Juchli L.,Pflege, Praxis und Theorie der Gesundheits- und Krankenpflege. 7. neubearbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart; New York, 1994, S. 253

[4] vgl. Roper N.; Logan W. W., Tierney, A. J., Die Elemente der Krankenpflege, Ein Pflegemodell, das auf einem Lebensmodell beruht. 4. überarbeitete Auflage, Recom-Verlag, Basel, 1993, S. 347

[5] vgl. Pütz C., Müller S-D, Geriatrische Pflege,Klinische Ernährungsregimes bei mangelernährten Senioren, in: Die Schwester/ Der Pfleger, 40 (2001), Heft 10, S. 826-832

[6] Toelle M., [ Wissens und Erfahrungsdatenbank, 2002], Trickkiste, Verweigerung der Nahrungsaufnahme, http://www.alzheimerforum.de/trickkst/tk1.html 30.Januar 2002


Stand: Copyright © 2002 [Christian Kolb]. Alle Rechte vorbehalten.
Letzte Aktualisierung: 09.10.04 11:57

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