INTERESSANTES
Gedanken I
O Herr, gib jedem seinen eignen Tod.
Das Sterben, das aus jenem Leben geht,
darin er Liebe hatte, Sinn und Not
Denn wir sind nur die Schale und das Blatt.
Der große Tod, den jeder in sich hat, das
ist die Frucht, um die sich alles dreht.
Rainer Maria Rilke
Jemandem eine Weise des Sterbens aufzuzwingen, die anderen zusagt,
die er selbst aber als grausamen Widerspruch zu seinem Leben empfindet,
ist eine düstere, destruktive Form der Tyrannei.
Ronald Dworkin, Rechtsphilosoph
Aus dem Artikel "Der Staat darf nicht zum Leben nötigen" von Merkel R.
| zum Artikel |
"Wenn du den Weg deiner Träume gehst, gib dich ihm ganz hin. Lass mit der Entschuldigung 'Das ist noch nicht ganz das, was ich wollte' `keine Hintertür öffnen. In diesem Satz liegt der Keim für eine Niederlage. Geh deinen Weg. Auch wenn das manchmal heißt, Schritte ins Ungewisse zu tun, auch wenn du weißt, dass du es besser machen könntest. Wenn du deine Möglichkeit in der Gegenwart ausschöpfst, wirst du in der Zukunft sicher besser werden. Doch wenn du deine eigenen Grenzen leugnest, wirst du sie nie überwinden. Stell dich mutig deinen Weg, fürchte dich nicht vor der Kritik der anderen. Und vor allem, lass dich nicht durch Selbstkritik lähmen. Gott wird in den schlaflosen Nächten an deiner Seite sein und deine heimlichen Tränen mit Seiner Liebe trocknen. Gott ist der Gott der Tapferen
Unbeirrt seinen Weg gehen
Paulo Coelho
Seinen eigenen Tod haben bedeutet auch, dass der Tod als endgültiger Abschnitt eines Lebens zu diesem passen und es menschenwürdig vollenden soll. So gibt es beim Umgang mit Menschen in der letzten Lebensphase keine allgemeinen und einfachen Regeln. Sich Fragen stellen und sich solche Fragen zu stellen ist oft der Anfang adäquater Lösungen.
Schlierf, G. [Probleme mit Essen und Trinken am Lebensende, 1999]
in: Fortschritte der Medizin, 117 Jg. Nr. 11/ 1999, S. 75-78
Wie Menschen sterben bleibt im Gedächtnis derjenigen die weiterleben
Dame Cicely Saunders
Als meine Mutter zunehmend mehr in der Alzheimer Demenz versank, starb nur ihr Ego weg, ihre Seele entwickelte sich umso klarer. Am Ende war die Seele alles, was sie war.
John Diamond
In diesem Zusammenhang ist der Befund erwähnenswert, dass alte Menschen die Wünschbarkeit des eigenen Lebens bzw. des eigenen Todes an bestimmte Bedingungen knüpfen. Das ist lediglich so lange lebenswert, solange die eigene Nützlichkeit und Selbständigkeit in psychischer wie körperlicher Hinsicht gewährleistet sind. Treffen diese Bedingungen nicht mehr zu, so scheint dies alten Menschen eine Legitimation für den eigenen Tod zu geben. Unselbständigkeit und Nutzlosigkeit oder der soziale Tod werden mehr gefürchtet, als der körperliche Tod.
Oerter R., Prof. Dr.; Montada L., Prof. Dr., Entwicklungspsychologie,
4. korrigierte Auflage, Beltz Psychologie Verlags Union, Weinheim 1998, S. 1140
Was hat ein Mensch davon, wenn er liegend im Akutkrankenhaus (oder Heim) auf den weißen Plafond starrt und ab und zu eine physikalische Maßnahme (wie z.B. Beine bewegen!) an ihm vollzogen bekommt?
Wenn ein Mensch seelisch gesehen im Rückzug ist und/oder sich selbst gegenüber destruktiv zu werden droht, wird ihn kaum die Kontrakturenprophylaxe als lebensrettende Maßnahme erscheinen. Es wird ihm nicht der diätische Milchbrei oder gar die PEG-Sonde den Lebenswillen wiedergeben und die Psychomotorik neu entflammen lassen. Nein, ganz im Gegenteil, er wird sich der Pflege "ergeben" und mit regredierenden Verhaltensmustern auf seine Situation reagieren. Und dies ist nicht verwunderlich, denn "der Mensch lebt nicht vom Brot allein", wie selbst den Autoren der Bibel schon bekannt war! Er lebt aus seiner Seele aus seinen Antrieben, aus seinem "Elan vital" - oder er vegetiert nur mehr dahin!
Böhm E., Psychobiographisches Pflegemodell nach Böhm, Band I: Grundlagen
Verlag Wilhelm Maudrich, 1999, S. 23
Ich mag Nebel. Er macht die Welt klein.
Und still. Und weiß.
Ist das nun Demenz, Ma?
Sieht es in deinem Kopf auch so aus:
klein, still und weiß?
Auszug aus
Erika Veld: Klein, still & weiß
Wien, München 1999
"Man kann nur dem Ganzen helfen!!"
Sei misstrauisch gegen den, der behauptet, dass man entweder nur dem großen Ganzen oder überhaupt nicht helfen könne. Es ist die Lebenslüge derer, die
in der Wirklichkeit nicht helfen wollen und die sich vor der Verpflichtung im einzelnen bestimmten Fall auf die große Theorie herausreden. Sie
rationalisieren ihre Wirklichkeit.
Max Horkheimer:
Dämmerung, Notizen in Deutschland
In Orroli, einem winzigen Bergdorf Sardiniens, erforscht Odile Hain das Geheimnis des Alterns.
Hier führen die Menschen ein hartes Leben der Entsagungen; man sieht ihren gegerbten Gesichtern die jahrzehntelange körperliche Arbeit an. Und doch sind sie so gesund wie an kaum einem anderen Ort in Europa. Hier wohnt der drittälteste Mann der Welt und nicht selten teilen sich vier Generationen ein Dach. Odile Hain findet hier Urtümlichkeit, Gastfreundschaft und Herzensgüte, die im schnellen Leben der Großstädte keinen Platz haben. Es geht um Lebensabende zwischen Pferdekoppeln, Safran, Zitronenschnaps und katholischer Tradition, um romantisches Landleben und Beschaulichkeit.
Diese virtuelle Fotoausstellung finden Sie unter folgendem Link
http://apollo.zeit.de/galerie/vorschau_js.php?r_id=197
Soll man also bei schwer kranken Alterspatienten zur PEG-Ernährung raten oder
nicht? Nach Erörterung der von Callahan und Mitarbeitern gefundenen Daten
gibt ein Rezensent den Angehörigen folgende einleuchtende Antwort
auf diese schwierige Frage:
"Nach dem heutigen Wissensstand können wir nicht sagen, dass der Ihnen nahe
stehende Patient durch das Legen einer PEG-Sonde länger leben, eine bessere
Lebensqualität aufweisen oder funktionelle Verbesserungen erfahren wird.
Wir wissen nur, dass Patienten mit PEG-Sonden in aller Regel
nicht mehr lange zu leben haben."
Ein Rezensent des Artikels
Survival analysis in percutaneous endoscopic gastrostomy feeding:
a worse outcome in patients with dementia.
DS. Sanders, MJ. Carter, J. D'Silva, et al., Am J Gastroenterol, 2000, vol. 95, pp. 1472-1475

Gedanken II