NAHRUNGSVERWEIGERUNG

Ernährungsregeln

Empfehlungen für eine gute Ernährung
von dementen Menschen in Institutionen

Diese Empfehlungen wurden von mir übernommen und modifiziert
aus der Broschüre "Eating well for older people with dementia"
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  1. Ernährungsrichtlinien, (z.B. Empfehlungen zur Nährstoffzufuhr der DGE www.dge.de ), sollten in den Pflegeeinrichtungen adaptiert werden.
  2. Richtlinien für die Ernährung von Bewohnern, sowie ein QM-System zur Verhinderung von Mangelernährung sollten Voraussetzung für Pflegesatzverhandlungen sein. Bei Qualitätsprüfungen nach § 114 SGB XI sollte die Einhaltung dieser Richtlinien überprüft werden.
  3. Auszug aus den gemeinsamen Grundsätzen und Maßstäbe zur Qualität nach § 80 SGB XI vollstationäre Pflege: "Ein altersgerechtes, abwechslungsreiches und vielseitiges Speisenangebot einschließlich des Angebots an individuell geeigneter Diätkost wird zur Verfügung gestellt. Die Essenszeiten sind flexibel zu gestalten."
  4. Heimträger, Pflegemanagement, Hauswirtschaftliche Versorgung und Pflegepersonal sollten Informationen über Ernährungsrichtlinien bereitstellen sowie Schulungen zur Umsetzung dieser Richtlinien.
  5. Assessment der Ernährungsbedürfnisse von alten Menschen mit Demenz und Überwachung des Gewichts

  6. Innerhalb einer Woche nach Einzug in eine Pflegeeinrichtung sollte jeder Bewohner mit Demenz gewogen, sowie sein individueller Nährstoff- und Flüssigkeitsbedarf erhoben werden (z.B. Beachtung der Ernährungsgewohnheiten, Erkrankungen, usw.). Diese Bedürfnisse sollten überwacht und regelmäßig evaluiert werden. Eine spezifische Erhebung nach etwa einem Monat ist sinnvoll, da der Bewohner dem Pflegenden besser bekannt ist.
  7. Zeitweise sollten dem besonderen Energiebedarf (z.B. Unruhe, Stress, Angst, usw.) von Menschen mit Demenz Beachtung geschenkt und die Ernährung individuell angepasst werden.
  8. Es sollte bei jeder Person die besonderen Vorlieben, spezieller Diätbedarf und die kulturellen und religiösen Anforderungen dokumentiert werden (Essbiografie). Hier sollten neben dem Bewohner selbst, Angehörige und Freunde in die Befragung miteinbezogen werden. Wenn möglich sollte die Befragung vor dem Einzug ins Heim erfolgen. Diese Daten sollten Bestandteil des individuellen Pflegeplans sein und regelmäßig aktualisiert werden.
  9. Beachtung sollte dem Aussehen des Essens und dessen Präsentation geschenkt werden. Familienmitglieder und Freunde - besonders bei ethnischen Minderheiten (z.B. Moslems) - sollten angeregt werden das Pflegepersonal bei der Präsentation zu unterstützen. Diese Anforderungen sollten in den Pflegeplan miteinbezogen werden und alle Pflegekräfte sollten über die individuellen Gewohnheiten des Bewohners informiert sein.
  10. Alle Einrichtungen sollten für eine monatliche Gewichtskontrolle Waagen, bzw. Sitzwaagen besitzen. Diese sollten regelmäßig überprüft werden.
  11. Das Gewicht jedes Bewohners sollte einmal im Monat ermittelt und dokumentiert werden. Wenn ein Bewohner unbeabsichtigt mehr als 3kg Gewicht verloren hat, sollten im interdisziplinären Team Ursachen ermittelt werden. Handlungsempfehlungen sollten in der Pflegeplanung dokumentiert, durchgeführt und evaluiert werden.
  12. Auswahl und Verfügbarkeit von Essen und Trinken

  13. Demente Menschen benötigen genauso wie andere Menschen, ob jung oder alt, eine gesunde und balancierte Diät. Essen, bzw. Ernährung muss als essentieller Bestandteil der Pflegeplanung betrachtet werden. Den Bewohnern sollte die Möglichkeit gegeben werden, ihre Meinung zu dem Essensangebot zu äußern und mitzubestimmen.
  14. Alle Speisen und Getränke sollten attraktiv, appetitanregend und angepasst an die Bedürfnissee der Bewohner serviert werden. Dies gilt nicht nur für konventionelle Speisen, sondern auch für Fingerfood und weiche Speisen. Wenn pürierte Speisen serviert werden, sollte sicher gestellt sein, dass diese appetitanregend aussehen und schmecken.
  15. Verschiedene Speisen sollten angeboten werden, mit der Möglichkeit für den Bewohner auszuwählen. Dies ist wichtig für alte Menschen mit Demenz, trotz der häufigen Meinung, dass aus verschiedenen Möglichkeiten auszuwählen die Verwirrung eher fördern würde. Hilfe von gerontopsychiatrischen Pflegefachkräften hilft den Bewohnern bei der Auswahl.
  16. Pflegekräfte sollten die Möglichkeit haben, den Bewohnern Speisen und Getränke anzubieten, wenn diese gewünscht werden. Snacks und Getränke - z.B. belegte Brote, frisches Obst, Gebäck, Tee, Milchgetränke, Fruchtsäfte und Wasser - sollte rund um die Uhr zur Verfügung stehen.
  17. Nahrungssupplemente (welche manchmal benutzt werden, um eine Mahlzeit zu ersetzen) sollten angepasst eingesetzt werden. Wenn diese zu oft eingesetzt werden, ist eine Rückkehr zu normalen Ernährungsgewohnheiten schwierig.
  18. Pflegemanager und Pflegekräfte in institutionellen Einrichtungen sollten sich bewusst sein, dass eine adäquate Flüssigkeitsaufnahme essentiell ist um Dehydrierung zu verhindern und für die Regulierung des Stuhlgangs. Um eine adäquate Flüssigkeitsaufnahme sicherzustellen, sollten Menschen mit Demenz dazu angeregt werden, ca. 1,5 l am Tag zu trinken.
  19. Pflegemanager und Pflegekräfte sollten sich bewusst sein, dass durch eine Reduzierung der Flüssigkeitsaufnahme, nicht die Probleme, welche mit einer Inkontinenz zusammenhängen gelöst werden können.
  20. Kosteneinsparungen dürfen keine Reduzierung der Qualität des Speisen- und Getränkeangebots für demente Menschen nach sich ziehen.
  21. Zahngesundheit und Zahnpflege

  22. Pflegeeinrichtungen sind verantwortlich für eine gute Zahngesundheit der dementen Bewohner. Die Mundhygiene sollte regelmäßig kontrolliert werden. Eine ausreichende Unterstützung beim Zähneputzen muss sichergestellt sein.
  23. In den Pflegeeinrichtungen sollte eine regelmäßige zahnmedizinische Untersuchung angeboten werden für die Bewohner. Ebenso sollte Aufmerksamkeit gelegt werden auf die adäquate Pflege von Zahnprothesen.
  24. Körperliche Aktivitäten

  25. Alte Menschen mit Demenz sollten zu körperlichen Aktivitäten angeregt werden. Bewegung stärkt die Muskeln und Knochen, es steigert den Kalorienbedarf, und wirkt gleichzeitig appetitanregend. Wo es möglich ist, sollten die Bewohner angeregt und unterstützt werden zu laufen, sowohl innen als auch außerhalb des Gebäudes. Bewegung sollte der Benutzung eines Rollstuhls vorgezogen werden. Es sollte Gymnastik für die Bewohner angeboten werden.
  26. Mitarbeiterschulung und Organisation

  27. Es gibt ständig neue Informationen und Erkenntnisse über Demenz und über den Umgang mit Demenzkranken. Heimleiter und Pflegende benötigen regelmäßige Schulungen um auf dem neuesten Stand der Entwicklungen zu sein.
  28. In allen Einrichtungen mit dementen Bewohnern, sollten die Mitarbeiter geschult werden im Verstehen der Demenz und wie man damit umgeht. Ebenso sollte das Personal im Erkennen von anderen psychischen Krankheiten geschult sein, wie z.B. Depressionen, Paranoia, Angstzustände und die Nebenwirkungen von Medikamenten.
  29. Eine angemessene Zahl von Pflegekräften sollte die Möglichkeit haben, an den Mahlzeiten teilzunehmen und genügend Zeit haben um die Bewohner beim Essen zu unterstützen.
  30. Pflegende sollen Kontakt aufnehmen beim Essen mit den alten Menschen. Direkter Kontakt (z.B. mit Namen ansprechen, in die Augen schauen, zugewandte Körperhaltung, usw.) ist für Demente wichtig, besonders wenn sie Pflegende bei der Nahrungsaufnahme unterstützen
  31. Pflegekräfte sollen geschult werden, wie demente Menschen bei der Nahrungsaufnahme adäquat unterstützt werden können. Diese Schulung soll auch beinhalten, wie man die Selbständigkeit der Betroffenen möglichst lange erhalten kann und wie man jene unterstützt, welche Hilfe beim Essen benötigen.
  32. Dort wo Pflegekräfte Menschen mit Demenz unterstützen, ist darauf zu achten dass sie die Betroffenen würdevoll und mit Respekt behandeln. Sie sollten einmal selbst erfahren haben, wie es ist wenn man gefüttert wird, um diese Erkenntnisse an den Dementen entsprechend umzusetzen.
  33. Ein dementer Mensch sollte während der gesamten Mahlzeit von ein und derselben Pflegekraft unterstützt werden und wenn möglich sollte diese während der gesamten Mahlzeit anwesend sein. Bezugspflege sollte ein wesentlicher Bestandteil in dem Betreuungskonzept sein. Hiervon profitieren sowohl Pflegekraft als auch der Bewohner oder Patient.
  34. Heimträger sollten über die Vorteile nachdenken, welche ein gemeinsames Essen der Bewohner und Pflegekräfte mit sich bringt. Es regt die dementen Menschen zum Essen an und fördert soziale Interaktion. Es sollte auch darüber nachgedacht werden, wie Angehörige und angeleitete ehrenamtliche Helfer in die Essensgestaltung miteinbezogen werden könnten.
  35. Jede Pflegeeinrichtung sollte einen Pflegestandard zum ADL Essen und Trinken entwickeln.
  36. Logopäden, Ergotherapeuten und Diätassistenten

  37. Logopäden, Ergotherapeuten sollten in den Pflegeprozess miteinbezogen werden, um sicher zu stellen, dass eine angemessene Hilfestellung beim Essen und Trinken den Betroffenen angeboten wird.
  38. In Pflegeeinrichtungen sollten Bewohner, Patienten und Mitarbeiter Zugang haben zu den Fachkenntnissen von Logopäden, Ergotherapeuten und Diätassistenten.
  39. Gestaltung und Atmosphäre bei den Mahlzeiten

  40. Besondere Aufmerksamkeit sollte auf die Gestaltung und Atmosphäre bei den Mahlzeiten gerichtet werden. Es sollte eine heimische und familiäre Umgebung sein.
  41. Die Milieugestaltung beim Essen für alte Menschen mit Demenz sollte ruhig und stressfrei sein. Lärm oder andere von Essen ablenkende Störungen sollten auf ein Minimum reduziert werden.
  42. Einige Bewohner und Patienten profitieren von Spezialbesteck oder anderen Essutensilien. Pflegende sollten überprüfen ob die Betroffenen das Besteck und andere Utensilien benutzen können und dieses den Bedürfnissen der Dementen angepasst ist.
  43. Einige alte Menschen mit Demenz, welche nicht selbstständig essen können, bevorzugen die Mahlzeit entweder in einem anderen Raum oder zu einer anderen Zeit als die anderen Bewohner einzunehmen. Einige, welche die Mahlzeiten selbständig einnehmen können, profitieren evtl. von einer separaten Nahrungsaufnahme, weil sie sich so besser auf das Essen konzentrieren können. Von jedem Bewohner oder Patienten sollten seine individuellen Bedürfnisse ermittelt werden und mit denen der anderen Bewohner einer Wohngruppe in Einklang gebracht werden. Z.B. könnten die selbständigen Bewohner diejenigen welche Unterstützung brauchen beim Essen und Trinken helfen.
  44. Das Milieu sollte so gestaltet sein, dass möglichst viele Sinne angeregt werden. Z.B. der Essensgeruch aus der Küche, Kochgeräusche, man sollte sehen können wie das Essen zubereitet wird, all dies kann den Appetit stimulieren. Das Essen kann durch Geschmacksverstärker angereichert werden.
  45. Der Tisch sollte nicht länger als 30 Minuten vor Essensbeginn gedeckt werden. Dies verhindert Verwirrung bei Bewohnern oder Patienten.
  46. Innerhalb oder neben dem Esszimmer sollte es eine kleine Küchenzeile geben - z.B. mit Arbeitsfläche und Kochgeschirr - welche die Bewohner oder Patienten zusammen mit ihren Besuchern benutzen können. Dies sollte neben der Hauptküche in den Wohnbereich integriert werden.
  47. Gestaltung von neuen Heimen

  48. Die Architektur des Hauses sollte dem Bedarf an Sonnenlicht der dementen Menschen angepasst sein. Sonnenlicht sichert den Vitamin-D-Bedarf von alten Menschen. Abgesicherte Gärten mit regengeschützten Sitzmöglichkeiten sind sehr wichtig.
  49. Es sollte eine Ausstattung gewählt werden, die es den Bewohnern ermöglicht, sich eigenständig innerhalb des Gebäudes zu bewegen und sicher in den Essensraum zu gelangen.
  50. Die räumliche Gestaltung sollte Unabhängigkeit fördern, z.B. durch Geländer welche beim Laufen Unterstützung bieten. Ebenso sollte der Zugang zu den Waschräumen leicht möglich sein.
  51. Idealerweise sollten demente Menschen in kleineren Wohngruppen, ca. 8 Personen, betreut werden. Größere Einheiten sollten geteilt werden in Bereiche mit eigens eingeteilten Pflegepersonal (Bezugspflege), mit einem eigenen Raum und Esszimmer.

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