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Erfahrungsberichte

Erfahrungen • Gefühle • Wünsche

Für Angehörige ist es oft ein großes Problem, eine Entscheidung zu finden. Auf der einen Seite haben sie Angst, dass ihre Mutter, Vater, Tante, usw. verhungern oder verdursten könnten, auf der anderen Seite wollen sie ihnen keine unnötigen Leiden zufügen. Oftmals stehen sie völlig allein mit ihrer Entscheidung da. Oder aber es kommt wegen unterschiedlicher Meinungen zu Spannungen innerhalb einer Familie.
Doch auch, wenn eine Entscheidung getroffen wurde, ist das Thema damit keineswegs endgültig abgeschlossen. Denn je mehr sich der Zustand ihrer Lieben verschlechtert, desto größer werden die Zweifel an der Notwendigkeit Künstlicher Ernährung. Vielleicht haben sie aber auch positive Erfahrungen damit gemacht, konnten zum Beispiel mit Hilfe einer PEG den Kranken länger zu Hause versorgen, ihm dadurch seine vertraute Umgebung möglichst lange erhalten.

In dieser Rubrik möchte ich Ihnen die Möglichkeit geben, Ihre Erfahrungen, Gefühle und Wünsche mitzuteilen. Helfen Sie anderen, indem Sie ihnen zeigen, dass sie nicht die einzigen sind, die mit diesem Problem konfrontiert sind.

Schreiben Sie mir, damit ich ihre Erfahrungen in dieser Rubrik, veröffentlichen kann.

E-Mail:

Meine Frau hat Pflegestufe drei und lebt seit vier Jahren in einem Pflegeheim in meiner unmittelbaren Nähe. Ich bin jeden Tag von 15 Uhr bis zum Schlafengehen bei ihr.
Zu ihrem letzten Geburtstag (77) haben wir alle Verwandten und Bekannten eingeladen, weil wir der Meinung waren, es ist ihr letzter.
Sie war in einem erbarmungswürdigen Zustand. Sprach seit einem Jahr keinen Ton mehr und erkannte weder ihre Kinder noch mich.
Sie trank, über den Tag verteilt, einen Becher Wasser und nahm vielleicht noch einen Joghurt zu sich.
Alle waren gegen eine PEG, weil das ja angeblich die letzte freie Willensentscheidung eines Menschen ist.
Sie aber schaute mich mit übergroßen Augen an. Was wollte sie mir sagen? "Willst du mich verhungern lassen?"
Ich habe ihr gegen alle Widerstände der Kinder eine Sonde legen lassen. Wenn ich jetzt abends nach Hause ging, war ich jedenfalls sicher, dass sie mir nicht verhungert oder verdurstet.
Doch dann ging es erst richtig los. Mehrmals am Tage Erbrechen.
Gegen alle Widerstände der Krankenkassen eine Nahrungspumpe angeschafft. Hat nix geholfen. Eine andere Pumpe angeschafft. Nächtelang im Heim übernachtet und die Nahrungsgabe überwacht. Und immer wieder Zweifel. Habe ich es richtig gemacht?
Langsam fanden wir einen Rhythmus und das Erbrechen hörte auf.
Vor etwa einem Monat saßen wir mit mehreren im Garten und die Pflegekräfte animierten die Bewohner zum Trinken. Auch ich hielt meiner Frau mit den Worten, die anderen trinken auch, ein Glas Wasser an die Lippen.
Plötzlich sagte meine Frau klar und deutlich, "Seit wann hörst du auf andere Leute?"
Mir ist vor Schreck das Glas aus der Hand gefallen und mir schossen die Tränen in die Augen.
Seit der Zeit geht es kontinuierlich aufwärts. Sie ist ansprechbar, antwortet auf die Fragen des Pflegepersonals und nimmt auch Fernsehsendungen wieder auf. Letztens sagte sie bei einer Tiersendung, "Hoffentlich frisst der [Löwe] den [Wärter] nicht auf."
Ich bin im Nachhinein glücklich und ich fühle mich bestätigt, dass meine Entscheidung richtig war.

Horst Huxhage

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Das sind Erfahrungen die ich eigentlich nie machen wollte …
Nun hat Mutti schon fast ein Jahr die PEG.
Wie hätte sie selbst entschieden?????
Ich weiß es nicht…
Sie hat nie gesagt ich mag nichts mehr essen und trinken.
Sie konnte noch lange sagen "schmeckt gut"
Sie konnte noch lange singen, lächeln, einige Worte sprechen und Küsschen geben
Sie konnte noch eine Weile orales essen und trinken zu sich nehmen.
Aber auch das ging dann auch nicht mehr…wie soll ich jemandem sagen oder fragen …
ob Hunger oder Durst … wenn er nichts hört????
und stattdessen das doch so hörwichtige Hörgerät in den mund steckt.
Wenn das hören nicht mehr geht … das ist doch ein so schlimmer Kreis …

Soll ich sagen du hast deine Chance vertan?????
Soll ich tagtäglich mit ansehen wie sie verhungert und verdurstet????
Die Peg ist ein Eingriff in den natürlichen Ablauf eines Lebens.
Alleine zu stehen mit dieser Verantwortung und dieser Entscheidung ist nicht einfach.
Mutti hat das Leben geliebt.
Wenn Muttis Zustand ein wesentlich schlimmerer gewesen wäre hätte ich sicher anders entschieden.
Ich weiß für mich und Mutti das wir das richtige getan haben.
Was jetzt noch kommt liegt ganz alleine in Muttis Händen.
Und ich werd immer bei ihr sein

Brigitte Pfeiffer

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Gedanken einer pflegenden Angehörigen zur künstlichen Ernährung:
Ihre Liebe isst zu wenig, trinkt zu wenig?
Ab ins KH und bitte sofort nachdenken über die schnelle Lösung, die alle glücklich macht und komfortabel ist.
Die PEG hat sicherlich ihre Daseinsberechtigung, aber ich möchte nur erinnern, Es ist die letzte Freiheit, die wir Menschen haben, auch dann, wenn wir nichts mehr formulieren können.
"Ich kann es euch nicht sagen, aber ich verweigere mich"
Gedanken als Mensch, der nichts mehr sagen könnte:
Für mich wäre es furchtbarer Gedanke, nichts mehr zu mir nehmen zu wollen und es nicht zu dürfen noch nicht mal interimsweise, weil sich meine Betreuer gleich in die Notlage getrieben fühlen.
Dank moderner Technik werd ich irgendwann gestopft, wie eine Gans, weil ich für fünf Tage mal auf AUS gestellt habe (was ich heute durchaus tun darf und niemand hat die Idee, mir eine PEG legen zu wollen.
Es ist die Entbeinung meines Willens, den ich nur so noch formulieren kann, wenn ich nicht mehr reden kann. Schreiten wir ein! WIR, DIE wissen, dass ein Mensch trinken und essen muss.
Am Besten jeden Tag, und viel... Dank unserer Kultur...in Teilen Afrikas und sonst wo tun sie das nicht und früher gehörte es auch nicht zu dem üblichem Ernährungsplan, drei Mahlzeiten, plus...
Mens sana in corpore sano - Nun, gesunder Geist in dem gesunden Körper, der sich erhält... ein Hohn, für den verwirrten Geist.
Wir in der satten Westwelt lassen doch niemand verhungern und verdursten (das klassische, neurotische Schema der Erpressung ... nein, nein ... Wir zwingen auch die, die es nichts sagen können, nur zeigen können, an ihrem Willen und vor allem an INTERIMS Zuständen vorbei.
Geduld, ist nicht unser Ding, gelle?
Esse und lebe. Trinke und lebe. In eterniam.
Ich? war es nicht, der Schuld war.
Scheint ein Problem zu sein, Menschen ihren Willen zu lassen, aller Reizungen zur Nahrungsaufnahme zum Trotz.
SOOO einfach ist die Entscheidung wirklich nicht und es heisst auch nicht, dass man damit unbedingt Gutes tut.
Das möchte ich einfach damit sagen.
Lass dir nicht so einfach die PEG aufs Fell binden.
Kein Juhuuu ... wer sie hat ... es geht, es lebt ...

"ICH" muss für mich einen anderen Tod wählen und darauf warten ... das ist übrigens das Fazit, letztendlich für unendlich, meiner mich "wirklich" liebenden Angehörigen, die mich nicht mehr hören werden können.
Ich hasse das ... lasst mich, wenn ich nicht will ...
Soweit in das Schlüpfen da hinein, wir alle gehen den Weg, ich will nicht, dass mir andere Menschen ein bisschen Tee und Sondennahrung in Schläuchen einkippen ... Salzlösung ...
Ich will nicht, dass man aufhört mich zu reizen mit Dingen, die gut riechen und schmecken, aber wenn ich überhaupt nicht will, dann sollte man mir den Willen lassen.

Marina Frischkorn

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Besonders eindrucksvoll demonstrierte mein Großvater dieses abnehmende Bedürfnis. Außerdem lieferte er den Beweis, dass eine langsame Reduzierung der Trinkmenge nicht zwangsläufig geistige Austrocknung und Verwirrung nach sich zieht, sondern natürlicher Bestandteil eines natürlichen Sterbeprozesses darstellt.
In den letzten Monaten vor seinem Tod, er starb dort, wo er 91 Jahre gelebt hatte - im Kreise seiner Familie, hat er allerhöchstens 300 ml (zwei Gläser) getrunken. Nicht, weil er Durst verspüre, sondern weil ihm der Mund trocken werde vom vielen Reden, wie er betonte. In den letzten Tagen vor seinem Tod nippte er nur noch am Getränk - aber er konnte den Becher alleine nehmen und halten, und war selbst noch in der Todesstunde bei klarem Verstand: wenn er zwischendurch kurz aufwachte und denen, die um ihn herumsaßen, zunickte. Essen mochte er an den letzten Tagen gar nichts mehr, und es wäre auch keiner auf die Idee gekommen, ihm etwas aufzuzwingen.
Schon in den Jahren davor hatte sein Appetit mehr und mehr nachgelassen, trotzdem war er mental meist guter Dinge und zu keiner Zeit so entkräftet, dass er pflegerische Hilfe gebraucht hätte. Die meiste Zeit des Tages saß er auf seinem Platz in der großen Wohnküche der Großfamilie (4 Generationen unter einem Dach) und freute sich über jeden, der ihm Gesellschaft leistete. Seiner humorigen Weisheiten und Geschichten wegen war er sehr beliebt, auch weil er jedem das Gefühl gab, sich über seinen Besuch sehr zu freuen.
Zu seinen Weisheiten gehörten auch Kommentare wie: "Wenn ein altes Pferd (er war Pferdezüchter/-händler und Landwirt) nichts mehr frisst, dann weiß man, dass es zu Ende mit ihm geht. Bei einem alten Mann wie mir ist das genauso. Alles wird langsamer und weniger. Ich bewege mich langsamer, ich kaue langsamer, ich verdaue langsamer, ich atme langsamer - Nur das Mundwerk, geht immer noch schnell." Oft sprach er über das Sterben, aber nie in einer Weise, die dem Zuhörer unbehaglich wurde. "Das Sterben geht nicht so schnell, das braucht seine Zeit. Es ist auch nicht unangenehm, mir tut ja nichts weh. Ich kann nicht sagen, dass ich froh bin, wenn es endlich soweit ist, ein wenig unheimlich ist es schon, wenn ich daran denke. Aber ich glaube, Kinderkriegen ist schwieriger und schmerzhafter."
So in dieser Art teilte er seine Empfindungen mit, und das war nicht nur dahin gesagt, sondern entsprach seiner Lebenshaltung wie seiner Haltung an den letzten Tagen. "Ich brauche keinen Doktor, der soll sich um die kümmern, die noch ihr Leben vor sich haben."
Ohne Krankheitsdiagnose, ohne Infusion, ohne Medikamente, ohne Katheter, ohne Windel, ohne Dekubitus, ohne Verwirrung, ohne Angst, ohne Trauer, ohne Hast trat er von dieser Bühne ab. Die letzte Sterbephase, in der er überwiegend auch im Bett gelegen hatte, dauerte nicht länger als drei Tage. Sie war gekennzeichnet von länger währenden Phasen des Schlafens, währenddessen sich der Stoffwechsel verlangsamte, bis das Herz schließlich stehen blieb.

Ich schildere diesen Fall um anzuregen, über die vergleichsweise widernatürlichen Interventionen in den Altenheimen und Krankenhäusern nachzudenken. Obschon ja jeder weiß, dass die letzte Lebensphase im Grunde eine Sterbephase ist und wir alle, ohne Ausnahme, früher oder später an diesen Punkt kommen werden, ist das Sterben selbst in den Häusern, in denen regelmäßig gestorben wird, ein Tabuthema. Diese Gesellschaft fühlt sich dem Leben verpflichtet und scheut es, über das Sterben laut nachzudenken. Diese Gesellschaft orientiert sich nicht an den Bedürfnissen der Sterbenden, es sei denn man befindet sich in der Endphase einer Krebskrankheit und hat somit ein Anrecht auf eine Sterbebegleitung durch darin geschulte Fachleute (Hospizhelfer). Bei diesen sieht man dann in der Regel auch davon ab, das Sterben durch künstliche Ernährung, Antibiotika oder andere Medikamente hinauszuzögern. Hospizbetreute dürfen dann auch, wenn sie nicht ausdrücklich etwas anderes wollen, an der nächsten Infektion, die der abwehrgeschwächte Körper nicht verkraftet, versterben. Andere Sterbende werden erst als Sterbende betrachtet, wenn sie im Lungenödem liegen, mit kaltem Schweiß auf der Stirn, spitzer Nase und anderen Zeichen unmittelbarer Todesnähe. Die meisten sterben unverhofft, unbemerkt, sie werden tot von der Nachtwache oder dem Frühdienst vorgefunden.
So erging es im vergangenen Jahr meinem Schwiegervater. Auch dies ein Beispiel, über das man Bände schreiben könnte, weil es charakteristisch ist für die widernatürliche Haltung im Umgang mit alten sterbenden Menschen, die man meint, wieder aufpäppeln zu müssen.
In diesem Falle hat der Aufpäppelungsversuch eindeutig jedoch das Sterben beschleunigt - ungewollte, aktive Euthanasie könnte man das nennen, was hier geschehen ist:
Auch bei diesem alten Mann (er wurde immerhin 93, war nie ernsthaft krank, keinen Tag pflegebedürftig) konnte man das allmählich abnehmende Interesse an allen Dingen des Lebens sehr schön beobachten. Auch hier verliefen Verlangsamung und Reduzierung nicht abrupt, sondern kontinuierlich etwa über die letzten drei Lebensjahre. Seine noch etwas jüngere Ehefrau machte sich jedoch zunehmend Sorgen, weil er in den letzten Monaten kaum noch dazu bewegt werden konnte, etwas zu essen. Er habe keinen Hunger. Und wenn er sich dann ihr zuliebe doch etwas mehr genommen hatte, klagte er anschließend über ein unangenehmes Völlegefühl. Getrunken habe er auch nur noch ganz wenig. Der Hausarzt vermutete eine Verstopfung, vielleicht sogar einen Darmverschluss und schlug vor, ihn in die Klinik einzuweisen. Ihm war dies zwar nicht recht, aber schließlich gab er dem Drängen seiner besorgten Frau und anderer nach. Im Krankenhaus wurde er dann auf Herz und Nieren untersucht, ohne dass etwas Signifikantes gefunden werden konnte. Da er immer noch nichts essen und trinken wollte, legte man ihm zunächst Infusionen, die er sich wohl im Halbschlaf mehrfach herausgezogen hatte. Außerdem sei er einmal aus dem Bett gefallen, weil er die Höhe wohl nicht richtig eingeschätzt hatte. Am 4ten Tag nach der Krankenhauseinweisung, legte man ihm eine Ernährungssonde und damit er diese nicht ziehen konnte, wurde er mit beiden Armen im Bett liegend fixiert. Außerdem hatte er jetzt ein Bettgitter. In diesem Zustand fand seine Frau ihn bei ihrem abendlichen Besuch vor. Sie war hin- und hergerissen, weil er wollte, sie mehrfach angefleht habe, sie möge ihn losbinden, die Schwestern jedoch dringend davon abrieten. In der gleichen Nacht noch erhielt sie den Anruf, mit der Mitteilung, dass ihr Mann verstorben sei.
Wer ihn gekannt hat, wundert sich darüber nicht. Das war kein Mann, der Fesseln ertragen konnte oder Menschen, die über ihn bestimmten. Wäre er nicht schon so entkräftet und dem Tode nahe gewesen, hätte er das niemals zugelassen.

Von Frau Adelheid von Stösser aus ihrer Stellungnahme
"Gesundheitssystem: Fass ohne Boden" (Unveröffentlicht)

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Als ich in einer gerontopsychiatrischen Tagesstätte arbeitete, habe ich jedes mal als Herausforderung gesehen, wenn jemand sagte, bei dieser Frau oder jenem Mann klappt gar nichts mehr. Frau Müller war auch so eine. Sie war von ihrem Mann gebracht worden, saß im Rollstuhl und es hieß, sie könne nicht mehr gehen, müsse gefüttert werden, und könne gar nichts mehr alleine.
Ich habe daraufhin die Frau in meine Obhut genommen. Zuerst habe ich ausprobiert, von welcher Seite sie besser reagiert. Dann habe ich mich auf die Seite gesetzt. Morgens beim Frühstück gings los. Ihre Tasse mit Kaffee - ein hoher Becher - stand da. Aber ich habe erst angefangen mit dem essen. Ich schnitt ihr das Brot in ganz kleine Häppchen, gab es auf den Löffel und führte ihn zum Mund. Sie hat den Mund geöffnet und gegessen.
Dann gab ich ihr den Löffel in die Hand und habe gedrückt, damit sie ihn selber zum Mund führen kann. Da war alles steif, es tat sich überhaupt nichts. Sie war vollkommen verspannt. Sie konnte nicht mehr die Hand zum Mund bewegen, denn ihr Mann hatte sie immer gefüttert. Ich forcierte es natürlich nicht mit Brachialgewalt.
Ich fütterte sie weiter und gab ihr dann wieder den Löffel in die Hand, wieder gedrückt, wieder steif. Ich sagte nie, sie müsse jetzt essen. Ich versuchte es immer wieder. Dazwischen habe ich sie gestreichelt und ihr ein Gefühl von Geborgenheit gegeben, ihr Sicherheit vermittelt, damit sie sich rundum wohl fühlen konnte. Beim fünften oder sechsten Versuch, als wir über eine bestimmte Höhe kamen, ging die Spannung raus, und sie führte den Löffel bis zum Kinn und fing an zu kauen, obwohl sie noch gar nichts im Mund hatte.
Von da an hob ich ihr die Hand erst mal so hoch bis zu dem Punkt, an dem die Spannung wegging, dann schaffte sie es, den Löffel zum Mund zu heben.
Anderntags versuchte ich es mit der Tasse. Ich gab ihr die Tasse in die Hand - nur halb gefüllt - und führte sie mit ihrer Hand zum Mund. Ich lobte sie und die andere sagten: "Schaut mal die Frau Müller trinkt so schön." Sie bekam Lob von allen Seiten. Das tat ihr gut. Sie hatte einfach verlernt, wie man isst und trinkt.
Am nächsten Tag übte ich wieder mit der Tasse. Ich legte diesmal nur zwei Finger um die Tasse und wollte sie wie gestern mit ihr zusammen zum Mund führen. Dann merkte ich wieder die Sperre, und als wir darüber hinweg waren, habe ich einfach losgelassen. Dann führte sie die Tasse alleine, erst bis zur Brust, dann bis zum Kinn. Ich habe am Arm nachgedrückt und geschoben, und dann hat sie die Tasse an die Lippen gesetzt und getrunken. Das ist der Impuls, der von außen kommen muss, weil der von innen nicht mehr kommt. Irgendwann kam der Ehemann. Wir haben eine Woche lang gar nichts gesagt. Dann erzählten wir ihm, dass seine Frau bei uns alleine isst. Da sagte er: "Sie können mir viel erzählen, das glaube ich nicht." Ich lud ihn am nächsten Tag zum Frühstück ein, aber er solle sich etwas abseits setzen, damit seine Frau nicht abgelenkt wird. Er saß dann in einer Ecke und als er sah, wie seine Frau alleine essen und trinken kann, brach er in Tränen aus. Er hatte seine Frau übermuttert.
Natürlich mussten wir immer wieder Lücken füllen und Unterstützung geben. Aber sie konnte alleine essen: Wir gaben das Häppchen auf den Löffel und haben für den Kick angehoben. Es ging. Die Bewegung war wieder da und die Sperre war weg. Nach einiger Zeit rief der Mann an und erzählte ganz begeistert, dass seine Frau mit einer kleinen Gabel Tomatensalat gegessen habe. Dieser Erfolg tat ihm gut und tat auch seiner Frau gut.

Der Bericht ist von Rosemarie Drenhaus-Wagner, AlzheimerForum
Quelle: Furtmayr-Schuh A., Die Alzheimer Krankheit. Das große Vergessen.
Wissen, vorbeugen, behandeln, mit der Krankheit leben
2000, vollständig überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1990, S. 128- 130

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Ich bin Arzthelferin und habe von Ihrer Webseite durch eine Patientin erfahren.
Meine Oma verstarb im Nov. 2003 im Alter von 93 Jahren. Ihren Geburtstag feierte sie mobil und mit viel Freude mit der ganzen Familie am 12.10.03, verabschiedete sich bei jedem Familienangehörigen mit festem Händedruck und sagte dabei "das war mein letzter Geburtstag, ich hoffe es hat euch gefallen".
Ab diesem Zeitpunkt verschlechterte sich ihr Allgemeinzustand rapid. Die Altenpfleger in ihrem Wohnheim in Fürth, sowie die behandelnden Ärzte und unsere Familie unterstützten unsere Oma auf dem von ihr gewählten Weg, ohne Nahrungs- u. Flüssigkeitsaufnahme zu sterben.
Auch wenn es zeitweise für uns Angehörige sehr schwer war zuzusehen wie unsere Oma im Dämmerzustand lag und nichts mehr zu sich nehmen wollte. Wir ihr nur die Lippen u. den Mund befeuchten konnten und ihr durch unsere Anwesenheit zeigen konnten, dass wir mit ihrem Weg (auch wenn es uns sehr schwer viel) einverstanden waren.
Besonders durch meinen Beruf war ich immer wieder im Zweifel ob es so richtig ist wie wir handeln. Doch Ihr Artikel bestärkt mich sehr in unserem Handeln und ich glaube unsere Oma ist in Ruhe eingeschlafen, denn sie hatte nie äußerliche Zeichen einer Verkrampfung gezeigt, auch war ihre Mimik immer freundlich und weich. Selbst am Tag (3 Wochen nach ihrem Geburtstag) an dem unsere Oma verstarb sah sie aus wie immer.
Man sollte trotz moderner Technik und lebensverlängerden Möglichkeiten den Wunsch des Betroffenen respektieren.

Doris

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Um menschenwürdige Pflege zu gewährleisten, muss der Zeitkorridor so groß sein, dass der Pfleger entspannt seine Arbeit tun kann. Die häufig aufgeschürften Ellbogen sind ein Zeichen, dass die Kleider nicht ausgezogen sondern ausgerissen werden.
Supervision mit einem in der speziellen Arbeit erfahrenen Psychologen ist dringend notwendig um das Leiden und Sterben aushalten zu können und muss in jedem Haus Pflicht sein.
Altenpfleger brauchen das Gefühl, dass sie Ihre Arbeit so gut wie möglich tun dürfen, sonst können sie nicht im Beruf bleiben. Die derzeitige Arbeitssituation überfordert und macht total unzufrieden.
Um den alten Menschen sinnvolle Beschäftigung geben zu können, müssen die Hygienevorschriften in der Küche etwas gelockert werden, so dass diese von Heimbewohnern betreten werden darf und dass altbekannte hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie Kartoffelschälen ausgeübt werden können.
Die Essenszeiten müssen den langsamer Essenden angepasst werden und die Personaldecke muss es ermöglichen, das Essen erst einzugeben, wenn es nur noch erträglich warm ist aber keinesfalls kalt. Jeder Mensch hat das Recht Essen zu verweigern, es muss ihm trotzdem täglich bei jeder Mahlzeit neu angeboten werden. Weder zum Essen noch zum Trinken darf gezwungen werden.
Alte Menschen mit PEG´s auszustatten um Personal zu sparen ist unerträgliche Praxis. Sie bekommen ihre Flasche angehängt aber oft kein persönliches Wort. Statt so zu leben, wäre sterben lassen, wie vor hundert Jahren, humaner, das Leiden war damals auf jeden Fall kürzer.
Eigentlich sind das alles Selbstverständlichkeiten, leider im Heim alles andere als selbstverständlich.

Rosemarie Länge

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Hallo,
ich arbeite als Wohnbereichleitung in einem Seniorenhaus in Konz. Die Missstände, Zeitmangel, Personalmangel etc., all das, was täglich in den Medien vermittelt wird, kann ich nicht stehen lassen. Ich bin verärgert, wenn ich höre, wir haben keine Zeit, um Nahrung anzureichen. Gerade bei dementen Menschen, ist Ruhe, Sorgfalt ein Muss. Es ist mir ein Bedürfnis zu sagen, das in der Dementarbeit täglich sehr viel geleistet wird. Die Dementenarbeit in unserer Einrichtung hat einen sehr hohen Stellenwert. Wir haben die Zeit, das Personal und die Mittel unsere an Demenz Erkrankten sehr gut zu versorgen. Es liegt immer an der Einrichtung, an der Philosophie jedes Hause, was zu tun, diesen Menschen eine Lobby zu geben.

delfinpe@web.de

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Unsere Situation stellt sich folgendermaßen dar, dass meine Großmutter mit 84 Jahren nach dem Tod ihres Mannes in einem Altenpflegeheim untergebracht wurde. Bereits zu diesem Zeitpunkt litt sie schon an Demenzerscheinungen, konnte aber noch sprechen, essen und herumlaufen.
Dieser Zustand verschlechterte sich zunehmend, wir konnten regelrecht dabei zusehen, wie die Fähigkeit zu sprechen allmählich immer schlechter wurde. Damit einhergehend kam es zur Nahrungsverweigerung, anfänglich sporadisch dann aber dauernd. Meine Mutter wurde als nächste Angehörige davon in Kenntnis gesetzt, dass eine Lösung für dieses Problem gefunden werden muss und als das Pflegepersonal feststellte, dass sie nicht als Betreuerin eingesetzt ist, wurde gar nicht mehr lange geredet, sondern die Entscheidung war bereits getroffen: meine Großmutter bekam eine PEG-Sonde und wurde von nun an über die Bauchdecke künstlich ernährt. Die Verantwortung wurde dabei von einem zum anderen geschoben und meiner Mutter wurden schwere Vorwürfe gemacht, dass sie ihre Mutter ja wohl nicht verhungern lassen wolle.
Bereits wenige Monate später reagierte meine Großmutter kaum noch auf Besuch, lediglich bei Berührung war eine schwache Reaktion erkennbar. Aber bald darauf blieb auch diese aus, die Augen blieben geschlossen und ich hatte das Gefühl, als sei sie überhaupt nicht mehr anwesend. Lediglich ein kleiner verkrampfter Körper mit zu Fäusten geballten Händen lag vor mir im Bett.
Dieses Jahr wurde meine Großmutter 90 Jahre alt. Ihr Zustand hat sich stabilisiert in der Form, dass ich sie kaum wiedererkenne, sie, die immer schlank und blass war, liegt nun mit rosigen runden Wangen vor mir, den Mund weit aufgerissen, die Augenlieder zusammengeklebt, als sollten sie nie wieder geöffnet werden, und auch sonst habe ich mich schon manchmal gefragt, ob ich am richtigen Bett stehe. Für meine Mutter und mich ist nun ein Zustand eingetroffen, wo wir diesen Anblick nicht mehr länger ertragen. Vielleicht haben wir vorher nicht richtig hingesehen, vielleicht ist es aber auch die Tatsache, dass sie nun 90 Jahre alt ist, ich weiß nicht was sich verändert hat. Gerne würde ich die Verantwortung eines Endes dieses Zustandes übernehmen, weil ich weiß, dass sie sich so etwas nie gewünscht hätte (wer würde sich so ein Dahinvegetieren denn schon wünschen!). Sie sprach immer mal wieder mit mir darüber, auf ihrer Lieblingsbank sitzend einfach einzuschlafen, eine schriftliche Verfügung gibt es aber natürlich keine von ihr.

art-indigo@t-online.de

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Ich will versuchen mich kurz zu fassen.
Es geht um meinen 83-jährigen Vater, welcher seit 2002 wegen einer Demenzerkrankung im Pflegeheim leben muss. Ich bin selber sehr krank, allein und habe die Pflege nicht mehr allein geschafft.
Nun ist er Anfang dieses Jahres im Heim so gestürzt, das er mehrere Operationen, Narkosen, so viele Untersuchungen über sich ergehen lassen musste. Als er zurück ins Heim kam, war es ganz schlimm. Vorher konnte er noch sprechen und alleine laufen. Nun kann er nichts mehr. Liegt steif und verkrümmt, wird künstlich ernährt, alles nur weil man mir einen Betreuer zur Seite stellte, als er ins Heim kam, weil ich selber, wie schon erwähnt, sehr krank bin. Ich war auch dankbar, dass sich dieser Mann so sehr um die Belange meines lieben Vaters kümmerte.
Er regelte die ganzen Geldangelegenheiten und alles mit den Ämtern.
Aber er besitzt eben auch das Recht, über alle Entscheidungen was die Gesundheit und Unterbringung betrifft.
Kurz vor der Entlassung aus dem Krankenhaus wurde meinem Vater dann, was ich mal eben so nebenbei hinterher erfuhr, ein Zugang für eine künstliche Ernährung gelegt. Man quälte ihn noch mit so vielen unnötigen Untersuchengen.
Niemand hätte einem lieben Angehörigen so etwas zugemutet. Auch unser Hausarzt ist sehr erzürnt über das was dieser Mann einfach so für sich entschieden hat.
Heute erfuhr ich vom Arzt, das ER das niemals gutgeheißen hätte. Das wäre nur eine künstliche Leidensverlängerung. Und mein armer Vater leidet sehr. Er ist überall wund. Hat Fieber, Entzündungen, Schmerzen. Die Verzweiflung sieht man in seinem Gesichtsausdruck, aber er kann sich leider niemandem mehr mitteilen.
Ich weiß nicht wie Ihr über diese Sache denkt. Deswegen möchte ich einfach mal fragen. Ich weiß dass aktive Sterbehilfe nicht erlaubt ist, so erklärte auch der Arzt. Man kann nun nicht einfach die Ernährungszufuhr einstellen.
Was er gerne würde aber nicht darf.
Vom menschlichen Standpunkt möchte er schon helfen sein Leiden zu beenden. Vorausgesetzt er dürfte dieses.
Ich bin so verzweifelt. Gibt es vielleicht irgendwo eine Anlaufstelle, wo einem in solch einem Falle ein wenig Beistand oder gegebenenfalls auch eine spätere Trauerbegleitung angeboten wird? Ich hatte mich erkundigt, nachdem ich von einer Hospizarbeit der hiesigen Caritas hörte. Auf Anfrage teilte man mir aber mit, das dieses nur für häusliche Pflege in Frage kommt. Stehe ich, steht mein Vater, stehen wir beide ganz alleine da? Gibt es nichts und niemanden der einen in einem solchen Fall begleiten würde? Ich bin so verzweifelt und weiß nicht was ich machen kann. Ich bin so hilflos und alleine wie noch nie in meinem Leben.
Vielleicht finde ich hier einen Ratschlag oder evtl. weiß jemand eine Kontaktmöglichkeit, bzw. eine Stelle an die ich mich wenden könnte. Ich wäre Euch wirklich für jeden Hinweis oder Tipp sehr dankbar.
Vielleicht hat ja auch irgendjemand das gleiche durchgemacht?
Um noch mal klar zu stellen, ich suche niemanden, der mir bei einer aktiven Sterbhilfe behilflich ist!
Nur einfach einen Rat, weil ich so alleine dastehe und mich so hilflos und sehr traurig fühle.
Bei jedem Besuch muss ich rausgehen, weil ich so bitterlich weinen muss. Ich liebe meinen Vater sehr, er ist alles für mich. Einen besseren Vater kann man sich nicht wünschen...
Früher war ich einmal sehr stark, als meine Mutter vor über 10 Jahren verstarb begleitete ich sie bis zum Ende. Die Ärzte waren aber auch so lieb und haben sie nicht mehr an die Maschinen angeschlossen. Dafür war ich sehr dankbar. Sie wusste auch, dass ich bei ihr war. Bis zum Schluss hielt ich ihre Hand.
Und nun ist alles so anders. Ich bin so hilf- und kraftlos. Er bekommt nichts um sich mehr mit. Ich weiß nicht einmal ob er weiß dass ich da bin...

Aus dem altenpflege.de Forum: Eintrag vom 25.07.03; Verfasser unbekannt


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