Rezensionen

Nahrungsverweigerung bei Demenzkranken

Die Problematik der PEG bei Demenzkranken wird von Christian Kolb in ihren medizinisch-pflegerischen und juristischen Aspekten umfassend diskutiert. Zunächst erläutert er die möglichen Ursachen einer Nahrungsverweigerung. Eine Dyphagie bildet nur eine von vielen Ursachen - zu denken ist u.a. an Schmerzen, Nebenwirkungen von Medikamenten, Heimweh, eine unangenehme Umgebung, Depression und Wahnvorstellungen (Vergiftungswahn). Manchmal reicht dann bereits ein einfühlsamer Umgang mit dem Kranken aus. Bei einer Schluckstörung und erkennbaren willen zum Essen und Trinken ist die PEG das Mittel der Wahl. Ob eine PEG das Leben eines Demenzkranken verlängert, gilt in der Medizin als strittig.

Anschließend diskutiert er das Problem des "informed consent" bei fortgeschrittener Demenz, die Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung und analysiert dann die bisherige Rechtssprechung. Er kommt zu dem jetzt durch den BGH bestätigten Schluss, dass vor Einstellung einer Sondenernährung eine Entscheidung des Vormundschaftsgericht erforderlich ist.

Kolb ist es gelungen, die verschiedenen Aspekte des Pro und Contra einer PEG, insbesondere ihre ethischen Implikationen, auf knappen Raum überzeugend darzustellen, und dies zudem in einer Form, die sowohl für Angehörige als auch für Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten unbedingt lesenswert ist.

von Dr. Gernot Lämmler, Berlin
in: Geriatrie Journal 5/03, Vincentz Verlag

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